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Warum jetzt noch selber bloggen?

 

Der Mensch schreibt auf, was ihn bewegt. Höhlenzeichnungen, Antike Schriftrollen, Pergamentpapier, Buchdruck – das Bedürfnis uns mitzuteilen liegt uns offensichtlich in den Genen. Das Schreiben von Geschichten und sich mit den geschriebenen Werken zu befassen, war früher allerdings eher der höheren Kaste vorenthalten. Stücke von Shakespeare wurden auf Bühnen vorgetragen, aber lagen nicht in den Haushalten rum. Lange Zeit war das Schreiben den Autoren, Dramatikern und Journalisten vorenthalten.

 

Der digitale Wandel hat es uns ermöglicht, unsere Gedanken heutzutage selber ins Netz zu stellen oder sogar E-Books selbst zu veröffentlichen. Der Grundgedanke der Blogs war ja zunächst, einen Austausch zu ermöglichen und niederzuschreiben, was einen derzeit beschäftigt – der Erfinder des HTML und Gründer des World Wide Webs, Sir Timothy John Berners-Lee, startete schon 1990 mit dem ersten Blogartigen Projekt, das Wissenschaftlern dazu diente, sich digital auszutauschen.

 

Tagebuchliebe

Ganz so groß muss es bei mir nicht werden. Ich gehöre zur Kategorie „Just for fun, not for fame“. Mir geht das Selbstdarstellungsgen ab, weshalb ich hier auch kaum Fotos von mir posten werde. Geschrieben habe ich schon immer, Tagebuch führe ich seit 1986, als mein ersten Schätzchen unterm Weihnachtsbaum lag. Lieblingseintrag von 1987: Liebes Tagebuch, ich liebe Pop. Episch!

 

Fortan führte ich haufenweise eigene, aber auch über lange Jahre hinweg mit der besten Freundin zusammen, Tagebücher. Zeitweise haben wir auch Tapes aufgenommen, aber wie war das umständlich! Zumal man die Tagebücher auch durch Zettel aus dem Notizblock erweitern konnte, wenn die Schulstunde wieder mal sooo öde war! Seitenweise Geschreibsel wie „Na du, ich hab grad Mathe. Das ist ja so langweilig. Du, Thies hat mich heute in der Schlange am Kiosk bestimmt zwei Mal angesehen! Was ziehst du eigentlich morgen an? Noch 25 Minuten bis zur Pause. Kommst du nachher mit?“.  Hände hoch, wer das auch kennt!

 

Die Tagebücher und Briefe durfte ich schon zwei Mal auf Tagebuchlesungen vorstellen. Da wir mit 14 eine Rapgruppe gründeten und davon noch Tapes mit unseren Tracks drauf haben, hatte ich neben den oben stehenden Ergüssen natürlich grandioses Material für die Bühne - beide Lesungen waren ein riesiger Spaß und Erfolg. Die Texte, die wir uns zum Thema Musik & Graffiti  schrieben, mit einer Ernsthaftigkeit und riesengroßen Ambitionen (Watch out, Foxy Brown!) sind aber auch wirklich der Kracher.  

 

Schreiben lag mir also, später schrieb ich Artikel für Rap-, Online- und andere Musikmagazine. Die Tagebücher führte ich weiterhin, aber die Einträge sind rückblickend natürlich weniger lustig, da erwachsener, aber immer noch sinnsuchend, da unterscheidet sich die 11-jährige nicht von der 33-jährigen.

 

 

Wieso jetzt also bloggen?

Im Blog macht man sich naturgemäß viel nackter als im Tagebuch. Ach weh, wer wird das lesen. Was sagt Mama, was sagen Kollegen? Einmal im Netz, immer im Netz! Man macht sich gläsern, und auch irgendwie angreifbar. Kommentarfunktion ja oder nein? Man kennt ja die fehlende Netiquette im Netz.

 

Ach, drauf gesch*****. Der beste Rat bei Zweifel ist doch: Einfach machen. Machst du es nicht, fehlt dir eine wertvolle Erfahrung. Also Mut sammeln und loslegen. Im besten Falle weißt du, worüber du sprechen möchtest, ich wusste das schnell. Mir fehlen wie gesagt die Identifikationen, ich habe bislang nicht so viele ü-40 Blogger gefunden. Geht es denen wie mir, haben die auch ihre zwei Charakterzüge, oder sind die „eins“? Haben die auch ihre Probleme mit dem Schema F oder passen die perfekt hinein? Wer fing noch auf die alten Tage mit Yoga an und fragt sich jetzt – gehen Rapfestivals und Stadionbier immer noch, trotz des achtgliedrigen Weges des Yogas? Fühlen die sich auf Elternabenden auch immer wie die junge Referendarin? Ach, egal. Ich schreibe darüber, aus purer Lust am schreiben und bin gespannt wohin mich dieser Blog bringt, oder wie der sich entwickelt. Ich freu mich auf jedes einzelne Wort und noch mehr auf Kommentare und Vernetzung!

 

Mit Love aus Hamburg

 

Junie