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Gimme that Beat

Musik, oh Musik. Musik ist für mich Liebe, Leben, Spiritualität, Luft, essentiell, existenziell, Nahrung, Upper und Downer. Das mein beruflicher Weg mich in die Musikindustrie führen wurde, konnte ich nicht ahnen, als ich mich mit fünf, sechs Jahren verzehrte nach Melodien und Lyrics. Meine erste emanzipatorische Handlung der Abnabelung war, in einem von Punkrock dominierten Haushalt vom Taschengeld eine Nino de Angelo Single zu kaufen – wohlgemerkt Vinyl, das war 1984, Baby. Meine avantgardistische Mutter war entsetzt, hatte sie mich doch schon mit vier Jahren auf Punkkonzerte und auf Motörhead Shows geschleppt. Nun denn, in einem Umfeld ohne Schlager musst du halt mit eben dem rebellieren!

 

Final Countdown bis Stripped – die 80er

Neben Nino standen mehrere Klassiklangspielplatten für Kinder, wie Peter und der Wolf. Fasziniert saß ich vor dem Plattenspieler und hörte, hörte, hörte. Jede Zelle meines kleinen Körpers elektrisierte sich, wenn der Wolf das erste Mal auftrat, es fliessen auch heute noch Tränen, bei leider zu seltenen Opernbesuchen. Da meine Familie tatsächlich durch die Bank weg einen guten Musikgeschmack besitzt, profitierte ich von verschiedenen Einflüssen. Großmutter mochte Country, meine (andere) Mama Klassik und Opern, mein Vater prägte mich durch Künstler wie Al Jarreau bis Sade, aber auch The Cure oder The Police, Pink Floyd oder Genesis. Als Kind blieb ich stoisch auf, um die damals einzigartige Ronnys Popshow zu sehen oder Formel Eins. Wie gebannt ich den ersten Auftritt von Europe sah und vor Begeisterung über den finalen Countdown fast zusammenbrach, der mir heute zum Hals raushängt! Radio war das Ding in meinem Kinderzimmer. Ich habe mir selber Tanzklamotten gebastelt und stundenlang, wirklich stundenlang abends zu den Songs getanzt. Als ich 1986 das erste Mal einen Track von einer Band, deren Namen ich mir beim besten Willen nicht merken konnte, hörte, war ich infiziert. Lange Zeit später stellte sich raus, dass es sich um „Stripped“ von Depeche Mode handelte. Keine Band, keine Texte haben mich über Jahrzehnte hinweg so geprägt wie die von Depeche Mode, denen ich auch mein Social Media Alter Ego juliedepeche verdanke.

 

Come with me Into the trees
We'll lay on the grass And let the hours pass Take my hand
Come back to the land
Let's get away Just for one day

Let me see you Stripped down to the bone

(Stripped/DM)

 

Ähnlich ging es uns – selbstverständlich - mit New Kids On The Block. Als 80s Kid bist du gar nicht drumherum gekommen, eine Sensation, du warst hysterischer Blockhead, da gab es keinen Weg dran vorbei. Deren Songs und Videos haben mir meine erste Vorstellung von Liebe geprägt, bis Depeche Mode’s Martin Gore sie mir mit seinen Texten wieder auseinanderriss und wiederum meine Vorstellung von Sexualität bildete. Zurück zu New Kids On The Block: als ich zehn Jahre später den Leadsänger Jordan Knight auf einigen Reisen als Pressefrau begleiten sollte, habe ich ihm glaubhaft versichert, ich wäre nie Fan gewesen. Dass ich früher abends sein Poster geküsst habe und mich Mrs. Knight nannte, verschwieg ich besser, im Sinne der professionellen Beziehung.

 

Die 90er - Ich lebe für HipHop!

NKOTB haben uns den Weg geöffnet zu Rap, denn darüber lernten wir Public Enemy, Biz Markie, 2 Live Crew, Ice-T oder Run-D.M.C. kennen. Was für ein nächstes Level! HipHop liebe ich bis heute. Nicht nur, weil wir mit 1990/1991 unsere eigene Rapcrew „Eject“ gründeten und tatsächlich in Eigenregie im Teenagerzimmer ein fulminant schlechtes aber dennoch geiles Tape aufnahmen. In meinen Tagebüchern habe ich nicht nur einmal festgehalten, ich würde „für HipHop sterben“. Ehrfürchtig standen wir im Plattenladen Crazy Tunes in Hannover und haben uns durch Neuerscheinungen gehört, höchstens ein Vinylalbum konnten wir uns leisten, und wenn es durch Zeitungen austragen oder Babysitting richtig gut lief, konnte ich mir eine Ausgabe der MZEE kaufen. Hätte ich damals gewusst, dass ich nur ein paar Jahre später eben dort ein Praktika machen sollte, was den Grundstein für meine PR-Laufbahn legen würde, mich hätte der Blitz getroffen vor Ehrfurcht. Als ich 1996 in Köln anfing, in der Industrie zu arbeiten und den ganzen Tag nur mit Musik zu tun hatte, fühlte sich das an wie ein Traum. Whaaat – über Musik reden und schreiben, das nennt sich Job? Crazy in love!

 

Funny it seems but by keepin its dreams it learned 2 breathe fresh air

Long live the rose that grew from concrete

When no one else even cared

No one else even cared

(The Rose That Grew From Concret/2pac)

 

Die folgenden Jahren durfte ich aber eben genau das tun, in Radiostationen, bei Magazinen, bei Viva & MTV, den ersten ganz kleinen Onlinemagazinen und als Autorin für das Rapmagazin Wicked. Nach MZEE kam Universal, wo ich mit Künstlern wie Dr. Dre, Eminem oder Jurassic 5 arbeiten durfte. Holy!

Tatsächlich öffnete sich in den Neuzigern mein Herz auch für Gitarre: von Slipknot über Incubus, Pantera, Machine Head aber auch Soundgarden, Faith No More, Pearl Jam, Life Of Agony  oder Nirvana. Ich liebe, liebe, liebe die Fülle an Musik, die man hören kann, wenn man sich öffnet. Musikpolizei habe ich nie verstanden, wenn mich ein Jennifer Lopez Song kickt ist es doch scheissegal, welches Genre er angehört. Free your mind!

 

Free your mind and the rest will follow
Be colour blind, don't be so shallow

(Free Your Mind/En Vogue)

 

Und heute - Liebe, nichts als Liebe für Musik

Wie geil es ist, sich in Musik reinzuhören, sie aufzusaugen und sehen, was dir gefällt uns was nicht. In CD-Booklets zu blättern, aufmerksam Lyrics zu lesen und die persönlichen Notizen der Künstler zu studieren. Meine Art, Musik zu konsumieren hat sich leider verändert, ich war so stolz auf meine mehreren tausenden CDs im Regal und war entsetzt, als Charlotte Roche verkündete, ihre CDs zu digitalisieren und wegzupacken. Frevel! Blasphemie! Jetzt höre ich Spotify hoch und runter und stand seit Jahren nicht im Plattengeschäft. Shame on me. Aber diese endlos große Bibliothek, dieses auf Alles zugreifen können, egal wo ich bin und welche Stimmung ich gerade habe, ist so eine Freiheit für mich als Nutzer – ich würde allerdings gerne mehr bezahlen, damit die Künstler Geld sehen für ihre Werke und ihr Herzblut. Ich will zurückgeben, was sie mir geben. Keinen Moment meines Lebens, indem ich nicht voller Musik war, egal welches Genre. Mit Musik steuere ich meine Stimmung, untermauer etwas, breche etwas auf, lass etwas zu oder lerne. Ich lern(t)e so viel durch Lyrics.

Leid, Schmerz, Euphorie, Sex, Wut

- es gibt keine Emotion, zu der ich nicht Musik habe. Musik ist einfach immer da, und hinter jedem Song stecken wochenlange Mühen und Arbeit, tausende Stunden. Dafür, dass ich etwas habe, was mich lebendig fühlen lässt, immer und immer wieder. Ich bekomme Gänsehaut bei Musik, ich kann damit kommunizieren, wie zuletzt, als ich mit einem Freund mehrere Tage nur über Songs kommuniziert habe und wir haben uns verstanden, ohne erklärende Worte. Ich bin so dankbar, dass es Musik gibt und ich sie so fühlen kann - besonders auf Festivals und Konzerten. Cheesy at it is: Music was my first love and it will be my last.

 

Und jetzt lasst mich teilhaben an dem, was ihr musikalisch liebt, ich will eure guilty pleasures und eure Vorzeige-Favoriten, eure ersten Bands und was ihr aktuell liebt!

 

In Vorfreude und mit Love

Junie

 

 

 

 

 

 

 

Bildcredit: Joanna Nix / Unsplash

Der Text enthält Werbung, da Markennennung, Namensnennung und allgemein Nennung. Frei von jedweder Kooperation.

 

Kommentare: 3
  • #3

    Uli (Freitag, 24 August 2018 17:58)

    Moin,
    derzeitiger Ohrwurm:
    Slow Readers Club - Forever in your debt
    https://www.youtube.com/watch?v=Q-ztLmRVdF0

    Als Depeche-Fan hier ein Konzerttipp für den 14.9. - da spielt Mesh im Mojo-Cub und nicht nur das - die Vorband ist M.I.N.E. - wie, kennst Du nicht? Doch, denn dahinter verbirgt sich niemand anderes als Camouflage... Camouflage? Sind das nicht...? Doch, genau die mit "The Great Commandment"!
    Zu dem Song wirst Du dann einen glatzköpfigen Ü40er ekstatisch rumspringen sehen und wenn Du Glück hast, reiße ich mir nicht die Klamotten vor Begeisterung vom Leib ;)

    Ach so, hier noch der Mesh Anspieltipp:
    https://www.youtube.com/watch?v=r2MKuO89FKk

  • #2

    Ronja (Freitag, 24 August 2018 17:14)

    Mein Liebes
    Zu meiner musikalischen Vergangenheit brauche ich dir ja nix schreiben.Aktuell hoere ich,was dich wahrscheinlich sehr freuen wird, wieder viel Depeche Mode.Aber auch die Deftones hab ich wieder fuer mich entdeckt.Ausserdem immer wieder gerne die Brote,Blumentopf,Freundeskreis oder die Beginner.Ansonsten bin ich halt auch ein Kind der 80er/90er und hoere deshalb Soundtracks zu Filmen wie Dirty Dancing,Top Gun,Rocky,The lost Boys,Karate Kid oder mein absoluter Lieblingsfilm La Boum.

  • #1

    Thomas G (Freitag, 24 August 2018 16:29)

    Hi Junie,

    großartiger Text, mag ich sehr.

    ...Music was my first love and it will be my last...

    Sicher ist Music von John Miles eines der Lieder die zu oft gespielt wurden und an manchen Tagen verdammt schwer zu ertragen. Trotzdem bleibt diese eine Zeile die aus meiner Sicht alles erklärt.
    Musik begleitet mich nunmehr seit 40 Jahren. Zu allen Phasen meines Lebens schenkt sie mir den Soundtrack of life.
    War es die Pubertät mit The Smiths, die Rebellion Ende der 80er und dem erscheinen von Appetite for destruction, dem Unverständnis Anfang der 90er warum Nirvana? wenn es doch Alice in Chains gibt, die durchtanzten Technonächte in Ffm und Berlin und dem Glück alles ohne grösseren Schäden überlebt zu haben. Die 2000er und das Entdecken von konservativen, bürgerlichen Werten um selbige am Ende der Dekade fröhlich in die Tonne zu kloppen und eben das Heute und Jetzt mit all den Erinnerungen und der kindischen Freude auf das Morgen und was noch kommen mag.
    Liebe zur Musik ist aus meiner Sicht nicht vergänglich, sie wird mich weiter begleiten, emotional fordern, meinen Horizont erweitern und am Ende meiner Tage laut schallend einmeterachtzig tiefer bringen.

    Erste LP___Hounds of love, Kate Bush
    Erstes Konzert___Shakin Stevens
    Bestes Konzert___Joy Flemming, Capitol Mannheim
    All time Favourite___The Smiths
    Lieblingslied___Tiny dancer, Elton John
    Herzschmerzlied___There is a light that never goes out; The Smiths
    HH Soundtrack___Landungsbrücken raus, Kettcar

    LG
    Thomas