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Tag der deutschen Entzweitheit

Das Umfrageinstitut Civey hat mich und andere Bundesbürger heute gefragt, Wie weit verbreitet sind Ihrer Meinung nach Vorurteile unter Westdeutschen gegenüber Ostdeutschen? 42,1% der Leute sehen es wie ich, eher weit verbreitet. Leider! Vorurteile gehören zwar zum Menschen wie das Atmen. Toleranz gegen jeden und allem gegenüber aufzubauen ist ein schwerer Job, denn der Argwohn gegenüber Fremdem und nicht zum Clan-gehörigen, liegt tief in uns verwurzelt. Auch heute ist Argwohn noch recht verbreitet. Aber Argwohn ist eines, Hass und Ablehnung ein anderes. Als hätten wir in Deutschland nicht schon genug Debatten, fühlen wir uns auch gute 28 Jahre später noch nicht vereint! Dabei ist Ost&West doch so unterschiedlich wie Nord&Süd. Der Freistaat Bayern war einst ein überaus stolzer Staat, der sich gerne lossagen wollte; Schleswig-Holstein hatte  auch noch mit der dänischen Minderheit in ihrem Land zu hadern. Immer was los, in diesem, mein Land.

 

Denk ich an Deutschland, denke ich an Schönheit

Was ist das für ein wunderschönes Land, in das ich hineingeboren wurde. Vom Allgäu zum Schwarzwald, vom Thüringer Wald zur Sächsischen Schweiz, der Harz, die Küsten, mein Lieblingsort Sylt. Die Mosel, der Rhein, der Spreewald, die Havel. Die Steilküste von Rügen, der Taunus und die Eifel. Deutschland, du bist so atemberaubend schön. Ich mag deine Menschen, ich mag deine Dialekte, den einen mehr, den anderen weniger. Mein Herz hängt an meiner Heimatstadt, die zu Unrecht ein biederes Image aufweist, denn Hannover ist stolz und – ich schwöre es – schön. Ich wohne seit gut zwanzig Jahren in einer der attraktivsten Städte der Welt, und Hamburg ist überdies das Tor dazu. Ach, geliebte Demokratie, ich bin so oft so dankbar, dass ich in dir aufwachsen durfte. In einer politischen Familie, die mein Bewusstsein dafür geschärft hat, weshalb ich die Demokratie als kostbares Gut und nicht als Selbstverständlichkeit sehe. So ist es auch mit  Bildungschancen. Ja, es wird kritisiert, ja es gibt Probleme. Aber seht hin, was uns dieses Land alles bietet. Ich sehe lieber, was ich bekomme, als dass, was ich noch nicht haben kann. So viele Menschen um mich herum sind völlig desinteressiert an ihrem Land. Keine Nachrichten, keine Politik, nicht die deutsche Geschichte oder Schicksale einzelner interessieren. Sie leben tatsächlich in einer Parallelgesellschaft, allerdings in einer selbstgewählten. Fehlgeleitete Integration passiert auch unter Deutschen. Selbstverständlich gilt das nicht für EM/WM. Da werden die Made in China Devotionalien ausgepackt und Schlandgesänge angestimmt. Das gilt bis zum Ausscheiden der Nationalelf, dann packt man den Nationalstolz wieder ein und hat ihn spätestens zur nächsten Steuererklärung oder dem verregneten Wahlsonntag vergessen, denn bei der Steuer wird beschissen und gewählt wird aus Bequemlichkeit oder „Verdruss“ nicht mehr.

 

Gemeinsam ist man weniger allein, Schwester & Brüder

Ja, wie schön wäre es denn, tatsächlich ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Ost/West, Nord/Süd, über Kulturen, Geschlechter, Herkunft hinaus. Wer genervt ist von der Politik, geht ins örtliche Büro einer Partei und bietet Hilfe und seine Ideen an. Wer über die Bevorzugung von Geflüchteten bei der Tafel kotzt, geht einfach mal als Freiwilligenhelfer zur Tafel und packt mit an – je mehr Helfer, je mehr Menschen in Not kann geholfen werden. Dasselbe gilt auch für Alte, Kinder, Kranke, Obdachlosen und Prostituierten – wer sich sozial engagiert, kann die Welt mitgestalten. Und sein Land. Wer nur via Facebook gegen Politiker und Lügenpresse wütet erreicht, jawohl, genau gar nichts.

 

Wir alle sind Produkt unserer Erziehung uns dem, was uns umgibt. Natürlicherweise gibt es so auch innerhalb eines Landes kulturelle Unterschiede. Ostdeutschland hat zwar wirtschaftlich aufgeholt, ist aber immer noch außerhalb der Großstädte oft perspektivlos, weshalb es leider Abwanderung gibt. Wir sollten ein Land sein. Die viel zitierte Mauer in den Köpfen ist hoffentlich bei meinem Kind nicht mehr vorhanden. Sie war buchstäblich fassungslos, als ich ihr den Bau der Mauer erklärte. Als ich davon erzählte, konnte ich es selber nicht fassen. Wie konnte das sein. Wie konnte man das zulassen? Diese Mauer ist weg und das ist ein Segen! Lasst sie uns in den Köpfen fallen lassen und allgemein diesem reichen, stolzen Land gerecht werden, zusammen und alle geschlossen. Wir haben ein riesiges Potential und wir sind wahnsinnig reich. Wir können Großes gestalten!

 

Danke, Deutschland. I heart you.

 

 

 

Ehrenamtliche Helfer Börse: https://www.gute-tat.de/

Politische Aufklärung: http://www.bpb.de/

Deutschland heute:  https://www.deutschland.de/de

 

Fotocredit: Björn Grochla / Unsplash

 

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