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Working Mum – die undankbarste Rolle deines Lebens

Letztens las ich folgendes Zitat in einer Instagram-Story:

 

 

Die Gesellschaft will Mütter, die arbeiten, als ob sie keine Kinder hätten und Mütter, die Mütter sind, als ob sie keinen Job hätten.

 

Und so ist das, liebe Gesellschaft. Mütter haben einen seltsamen Job. Sie sind es, die mittags aus dem Büro hetzen, um das Kind pünktlich aus Kita und Schule abzuholen. Oftmals wohlwissend, dass im Job keiner so recht Verständnis dafür aufbringt, da gerade noch etwas liegengeblieben ist und nun von jemand anderem erledigt werden muss. Das Kind: kein Verständnis für den intensiven Arbeitstag, es will die volle Aufmerksamkeit. Die To-do-Liste: einkaufen, aufräumen, spielen, Hausaufgaben. Die Nerven: liegen blank. Wird jetzt noch das Kind krank, gerät das Konstrukt gleich ins Wanken. Schon wieder krank, gibt’s doch gar nicht, ständig ist es krank und die Mutter dann auch, schon wieder Ausfall. Gibt’s doch gar nicht! Aber Kinder werden krank. Mütter werden krank, häufiger als die zugehörigen, Vollzeit arbeitenden Väter, da sie meist viel weniger Kontakt zum Kind oder gar anderen Kinder haben. Wie gerecht und sozial ist es, die Mutter dafür zu kritisieren? Oft ist es der männliche Vorgesetzte, der sich über seine oft krankgeschriebene Mitarbeiterin auslässt und über sie ätzt, statt schlicht die liegengebliebenen Jobs zu verteilen. Der ist es gerne auch, der die 20h-arbeitende-Ehefrau zuhause hat, die ihm Haushalt und Kind schmeißt und alles für ihn erledigt, bis er abends entspannt nachhause kommt. Kein Wunder also, dass 65% der Befragten einer YouGov Studie angegeben, ihr Betrieb sei nicht familienfreundlich.

 

Bereue ich die Mutterschaft?

Für mich gab es kein #regrettingmotherhood.

Dafür gibt es aber ein #regrettinghowsocietytreatsmothers. Mein Kind ist ein Segen, ein Happiness-Faktor, das große Ding in meinem Leben. Es ist die Gesellschaft, die hinkt.

 

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen“,

 

so ein altes Sprichwort und es zeigt auf, wo die Probleme liegen. Wir leben nicht mehr in der sozial eng verbundenen großen Gruppe, in der Kinder mit Kindern aufwachsen und Familienclans gegenseitig aufeinander aufpassen und sich unterstützen. Das allerdings benötigt es, um allen Arbeiten gerecht werden zu können, ohne sich bis zur Erschöpfung aufzureiben. Seit Mütter arbeiten – sei es, weil sie es müssen oder wollen – haben sie eine enorme Mehrbelastung zu schultern. Es geht nicht nur um das Kind ausreichend zu versorgen, es zu bekleiden und ins Bett bringen. Mütter bekommen die ganze Bandbreite der kindlichen Alltagslasten ab: Schulhof-streitereien, Spielplatzrummel, Trennungsängste, beginnende Pubertät, Schulstress, Mobbing, Liebeskummer etc. Oder die Organisation der ganzen Arzttermine, die zerrissene Jeans am Abend, die am nächsten Morgen unbedingt wieder heil sein muss, die Schulaufgaben und das Lernen für die Arbeiten, der Besuch von anderen Kindern – all das und noch viel mehr zerrt an den Nerven und fordert viel ab. Dass davor bereits ein Arbeitstag stand, oft mit einem Vollzeitjob in Teilzeitstunden gepresst, kommt noch oben drauf. Gerade alleinerziehende Mütter oder auch getrenntlebende Elternteile verspüren diesen Druck enorm.

 

Quo vadis, Familienpolitik?

Die SPD hat in ihrem Wahlprogramm für die garantierte Arbeitszeit gekämpft. Das spricht mich ehrlich gesagt überhaupt nicht an. Ein Anspruch auf Vollzeitjob plus Kind ist für mich kein Segen, sondern Fluch. Stattdessen wünsche ich mir eine finanzielle Entlastung von Alleinerziehenden oder getrenntlebenden. Gegebenenfalls Unterstützung der Betriebe, die teilzeitarbeitende Eltern einstellen und ihnen so Homeoffice oder mehr Urlaubstage möglich macht. Einen signifikanten Ausbau von besseren Betreuungsangeboten. Ich kenne keinen Hort, der erträglich ist. Zu viele Kinder, auf zu engem Raum mit zu wenig Betreuung. Ein Kind kommt schlapp und k.o. aus dem Hort, das ist kein Zustand, um das Kind stressfrei neben der Arbeit großzuziehen. Laut einer Umfrage des Müttergenesungswerks fühlen sich 75% der Mütter dauerüberlastet. Das bekommen auch die Kinder zu spüren. Es gibt viele Studien darüber, wie gestresst schon kleine Kinder sind. Nicht zuletzt durch überforderte Eltern!

 

Was ich mir wünsche

Ich wünsche mir eine bessere Akzeptanz für Teilzeitarbeitende-Mütter. Für Alleinerziehende. Entlastungen in den Betrieben durch Anerkennung der zwei intensiven Belastungen der Frauen. Mehr Zuspruch seitens Kollegen. Betriebe sollen Eltern konsequent stärken. Das gilt für die interne Kommunikation im Betrieb, als auch für flexible Arbeitszeiten und angemessenen Gehältern. Ich wünsche mir dringend den Ausbau von finanzieller Unterstützung von Alleinerziehenden. Und nicht zuletzt den gesetzlichen Anspruch auf Kuren, damit Eltern sich trauen, diese zu beantragen. Ich selber habe einen Arbeitgeber, der mich untertützt beim Kind. Aber ich habe anderswo so viel katastrophale Erlebnisse erlebt und mitangesehen, dieser Text kommt aus dem Herz, für all die Working-Mums da draussen.

 

 

Credit: Yury Almuhmaydy/Unsplash

 

 

 

 

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