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Permakultur – achtsames Landwirtschaften

The good old days – als die Hippie-Bewegung ihren Ursprung nahm und die Flower-Power Kids erstmals in Erscheinung traten, entwickelte sich auch die Idee zur „Permakultur“, ein Anbaukonzept für nachhaltiges, sich selbst regulierendes Landwirtschaften. Bruce Mollison und sein Schüler David Holmgren begannen in den 1970ern damit, ihr Wissen, das sie sich bei australischen Ureinwohnen angeeignet hatte, in ein Konzept für einen naturnahen Umgang für Lebensmittelanbau zu verwandeln. Sie sahen das Ganze als einen immerwährenden Kreislauf, der so gut ineinandergreifen sollte, dass Boden und Pflanzen permanent in Einklang lebten. Weg vom monotonen Raubbau, hin zur achtsamen, nachhaltigen Landwirtschaft. Und darüber hinaus, denn auch die Energieversorgung oder die Infrastruktur, ja alles Leben drumherum sollten in diesem Kreislauf bedacht werden. Ihre Lehre verbreiteten sie ab Ende der Siebziger in ihrem „Institut für Permakultur“, Mollison erhielt Anfang der 1980er den alternativen Nobelpreis für die Entwicklung und Förderung der Theorie und Praxis der Permakultur.


Permakultur ist also der krasse Gegensatz der klassischen Monokultur, wie wir sie auch in Deutschland haben. Freuen kann man sich ja schon über konventionellen Ackerbau, mit Blühstreifen zwischen den Feldern, und über einsichtige Bauern, die ihr bestmögliches Versuchen, mit so wenig Pestiziden wie möglich zu arbeiten. Landwirtschaft ist ein schwieriges Unterfangen und viele Bio- wie konventionelle Bauern haben mit Problemen zu kämpfen. Dürre und Klimawandel sind da nur ein Faktor. Auch die fehlende Wertschätzung der Bevölkerung gegenüber Lebensmittel und ein unterirdischer Preiskampf für Produkte sind eine große Belastung.

 

Umso mehr freue ich mich, dass es in Deutschland immer mehr Permakultur-Fans gibt. Die Seite  Permakultur Info verzeichnet bereits 64 Projekte in ganz Deutschland. Und nun kommt vielleicht noch eins dazu. Freja und Lenny von Sprouting Seeds haben sich im Hambacher Forst kennengelernt, als sie für eine Energiewende und Umweltschutz aktiv waren. Klar, dass beide sehr aktivistisch veranlagt sind. Und dazu noch große Ideale in sich tragen. Weshalb sie auch zueinander fanden und sich gemeinsam mit der Frage beschäftigen:

 

„Wie können wir mithelfen, die Auswirkungen der Menschheit auf diesen Planeten zu verringern und wir unser Leben in Harmonie mit der Natur gestalten?“

 

Sprouting Seeds Gründer Freja und Lenny

Seitdem sind die zwei viel auf Reisen und haben sich freiwillig in verschiedenen nachhaltigen/helfenden Projekten engagiert, darunter in Permakulturfarmen und in einem Flüchtlingslager in Griechenland. Sie leben vegan und sehr minimalistisch, essen fast ausschließlich das Weggeworfene von Supermärkten (Containern) und wenn sie nicht trampen, benutzen sie öffentliche Verkehrsmittel. Jetzt haben sie ein eigenes, ziemlich großes Projekt im Auge. Via Crowdfunding wollen sie ein eigenes Permakultur-Projekt umsetzen. Ihr Plan:

 

Es wird eine autarke Community entstehen, welche eine nachhaltige Lebensweise im Einklang mit der Natur darstellen und anderen Menschen näher bringen wird. In einem Permakultur-Garten sowie einem Food Forest werden biologische Nahrungsmittel in klimaschützender Weise angebaut und gleichzeitig Lebensraum für Insekten und anderes Wildleben gegeben. Ein Gemeinschaftsort teilt das Wissen einer nachhaltigen, autarken Lebensweise und zusätzlich wird Tieren in Not eine Unterkunft geboten.

 

Und darüber dufte ich mich mit ihnen ein bisschen unterhalten:

 

Bitte verratet mir doch, wie Menschen an eurer Idee teilnehmen können, wenn euer Stück Land erstmal gekauft ist. Und wen erwartet ihr eigentlich?

Wir möchten, dass Menschen mit Neugier und Lust zu helfen zu uns kommen. Wir möchten, dass der Gemeinschaftsbereich ein offener Ort ist, an dem Leute ihre eigenen kleinen Projekte starten können, mithelfen oder einfach nur sitzen und sich unterhalten. Wir planen kleinere Events wie bspw. eine Baumpflanzwoche oder ein Wochenende zum Erlernen des Trocknens von Früchten in der Sonne. Alle Arten von Fähigkeiten, die gut zu erlernen sind, wenn man nachhaltiger und autarker leben möchte. All dies möchten wir allein auf der Basis von freiwilligen Spenden anbieten. Das vegane Essen, das wir zusammen mit den Besuchern kochen und essen, wird direkt aus dem Garten kommen oder regional eingekauft von Spendengeldern.

Nachdem wir ein Stück Land gekauft und einige Strukturen errichtet haben, wie eine solarbetriebene Küche, eine Hangout-Area und Platz für Zelte, möchten wir Menschen begrüßen, die gerne für kürzere Zeit mithelfen und dafür ihr Zelt bei uns aufschlagen. Auf lange Sicht wollen wir auch Volunteers einladen, die längere Zeit bleiben. Dafür müssen wir aber erstmal die Ressourcen aufbauen.

 

Wie groß soll das Stück Land sein, dass ihr kauft und wie werdet ihr darauf wohnen?

Wir suchen ein Stück Land zwischen 4-6 Hektar, idealerweise mit einer Wasserquelle zum Trinken, Kochen und Waschen. Wir suchen sowohl in Deutschland als Europaweit.

Zunächst leben wir in einem größeren Zelt, erstmal nur im Frühling und Sommer. Später wollen wir ein Cob-Haus aus natürlichen Materialien baue, wie Lehm oder Stroh etc. und einer Komposttoilette.

 

Womit werdet ihr beginnen, beim Anbau und wie schafft ihr euch das benötigte Fachwissen und Gerätschaften an?

Am Anfang pflanzen wir einen Gemüsegarten und die ersten Bäume. Dann konzentrieren wir uns auf die Wasserstrukturen, also das Anlagen von Teichen, Dämmen und Kanälen. Das meiste wollen wir mit unseren Händen und einigen wenigen Werkzeugen und Gerätschaften schaffen. Aber schwere landwirtschaftliche Maschinen zu haben, widerspricht unseren Überzeugungen, da wir eine Verbindung zur Erde herstellen wollen. Wir wollen auch mit dem Anbau von Pilzen aus Abfallstoffen experimentieren. Das Wissen darüber, wie man eine vegane Farm gründet, was man pflanzt, wann und wie kommt alles durch Workshops über Permakultur und von anderen Bauern.

Wir hoffen auch darauf, dass einige der Besucher Wissen mitbringen, von denen wir profitieren, von denen wir lernen und das wir umsetzen können. All die Dinge, die wir noch nicht wissen, werden wir unterwegs lernen und experimentieren mit ihnen. Wir wollen Fehler machen und aus ihnen lernen!

 

Bekommt ihr Subventionen der EU oder wie stemmt ihr das?

Wir starten dieses Projekt von uns aus und erhalten keine Unterstützung von der EU.

Wir haben derzeit einen Crowdfund, um finanzielle Unterstützung für den Kauf von dem Land zu erhalten. Alle zusätzlichen Kosten werden wir selbst tragen, zusammen mit Menschen, die Teil des Projekts werden oder durch Spenden.

 

Und wie kommt ihr mit dem unsicheren Klima klar, besonders die Dürre macht Bauern ja sehr zu schaffen.

Wir wollen nach den Permakulturprinzipien bewirtschaften, die sehr gute Werkzeuge für den klimaresistenten Lebensmittelanbau bieten. Permakultur ist eine Designmethode, die darauf abzielt, Systeme für Menschen zu schaffen, die von Ökosystemen inspiriert sind.

Wir wollen Dämme, Kanäle und Bäche schaffen, um Regenwasser aufzufangen und nicht vom Aufpumpen des Grundwassers abhängig zu sein. Es wird auch ein Food Forest mit hoher Biodiversität und Platz für wildlebende Tiere gepflanzt. Unser Essen wird hauptsächlich aus dem Food Forest stammen, was eine dauerhafte Nahrungssicherheit gewährleistet.

 

Danke euch für das Gespräch!

 

Die beiden brauchen noch weitere Spenden. Wenn Du Interesse hast, die zwei zu Supporten findest Du die Kampagne auf Startnext.

 

Wenn Du selber Lust auf Permakultur bekommen hast, auf Utopia gibt’s schöne Tipps zur Permakultur auf dem Balkon und Garten.

 

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