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Psoriasis, Couperose, Dermatitis – wie mir Body Positivity trotzdem gelingt

Credit: Romina Faria / Unsplash

Ich bin ein echtes Sonnenkind und liebe die Sonne auf der Haut wahnsinnig. Ich brauche sie aber auch, denn ich habe Psoriasis – auch bekannt als Schuppenflechte – und die UV-Strahlen unterstützen die Behandlung. Damit bin ich eine von gut zwei Millionen Deutschen, die unter dieser unheilbaren Krankheit leiden. Typischerweise zeigen die Betroffenen rötliche, inselförmige, leicht erhabene Herde auf der Haut. Die Haut ist – vereinfacht gesagt – entzündet. Eine normale Haut erneuert sich regelmäßig in einem Turnus von ca. 26 Tagen. Die alte Haut (auch verhornte Haut genannt) wird kaum merkbar abgestoßen. Die erkrankte Psoriasis-Haut tut das aber im Abstand von drei bis vier Tagen. Das eigene Immunsystem wendet sich also gegen den Körper, weshalb die Krankheit als Autoimmunkrankheit gilt. Klingt das sexy? Nein, nicht wirklich.

 

Die Schuppenflechte zeigt sich anhand von sogenannten Plaques, die oft an Gelenken erscheint, also zum Beispiel an den Ellenbeugen. Typisch sind aber auch Stellen an den Schienbeinen, an den Ohren und unter dem Haaransatz. Bei mir begann es mit einer kleinen Stelle hinter dem rechten Ohr und wurde nur durch Zufall von einer aufmerksamen Arzthelferin bemerkt. Von da an besiedelte die Psoriasis bis heute meine beiden Ellenbogen, beide Unterschenkel, und beide Ohren. Auch meine Kopfhaut und Nägel sind von Psoriasis betroffen. Und mir geht es noch gut: Wenn Du Psoriasis in die Ecosia-Bildsuche eingibst, siehst du, was ich meine. Psoriasis kann übrigens auch deine Organe befallen und im schlimmsten Fall zu einer Arthritis führen. Du merkst schon, diese Krankheit ist wenig spaßig. Sie kommt und geht zudem, wie es ihr gerade passt. Jahrelang behandele ich sie nun schon mit Kortison. Das ist natürlich alles andere als gesund! Es macht die Haut ganz dünn und lagert sich im Gewebe ab.

Es gehört wirklich viel dazu, im Sommer dennoch nicht auf kurze Sachen zu verzichten. Jeder Blick bleibt an den Beinen hängen. Manchmal sind es interessierte, aber oft leider auch angewiderte Blicke. Und diese Blicke treffen mich immer öfter, einfach weil die Herde immer größer werden. Jetzt, im Sommer, versuche ich jeden Sonnenstrahl darauf fallen zu lassen und creme wie eine Verrückte. Das lässt die Psoriasis verblassen und sie wie eine normale Pigmentstörung aussehen.

 

Credit: Charisse Kenion / Unsplash

 

Body Positivity – es fehlt an Vorbildern

Natürlich finde ich das Thema Body Positivity an sich ganz toll und freue mich über jeden normalen Körper in den sozialen Netzwerken, in Kampagnen und auf Magazin-Covern. Je mehr Filter und Photoshop bei Bildern verwendet werden, desto surrealer werden schließlich unsere Idealvorstellungen von Formen, Farben und Beschaffenheit unserer Körper. Eine prima Gegen-Bewegung also und viele Marken versuchen mal mehr, mal weniger authentisch ihre Produkte und Werbekampagnen auf diverse Körpertypen umzustellen. Die curvy Frau im Werbesport des Rasierklingen-Herstellers ist da schon quasi normal geworden. Mit Winnie Harlow kam gar ein Model mit ausgeprägter Pigmentstörung auf die Cover der Fashionmagazine. Die unrasierten Beine des Models bei einer Adidas-Kampagne standen für Emanzipation. Also eigentlich alles gut oder doch nicht? Eben jenes schwedische Model, das wagte, sich unrasiert für Adidas ablichten zu lassen, erhielt hinterher Vergewaltigungsdrohungen, da man(n) den Anblick zu abstoßend fand. Wie soll ich da – mit einer so miesen Haut bestraft – positive Gefühle entwickeln?

 

Meine Haut war schon immer mein Stressorgan. Stress zeigt sich sofort auf meiner Haut – in vielfältigster Weise! Ob Nesselsucht in der Kindheit, Couperose auf den Wangen oder Dermatitis an den Händen: Meine Haut juckt und brennt und ist irgendwie immerzu aufgekratzt oder hat ewig lange Flecken. Und let´s face it: Ich bin über 40. Mein Kollagen lässt nach und damit erschlafft auch das Bindegewebe. Hallo, Cellulite! Und das alles in einer Welt voll straffer Fohlenbeine mit makelloser, leicht gebräunter Haut. Denn siehst du all mein Dilemma an anderen Frauen? Auf der Straße, im Schwimmbad, auf Plakaten oder in den Medien? Abgesehen von Kim Kardashian und Cara Delevingne kenne ich keine Models, die zur Psoriasis oder anderen Hautkrankheiten stehen. Auch Modestrecken mit erkrankter Haut oder gar die Thematisierung in Medien sind mir nicht bekannt. Ja klar, ich bin nicht mehr bei Instagram, dort gibt es einige #psoriasis-Menschen, aber auch die sind dort nur minimal vertreten oder wurden gar zensiert. Zu anstößig sei das Material, laut psoriasis-netz.de Das Ende vom Lied: Du siehst auf der Straße keine Psoriasis oder andere Hautkrankheiten, weil sie verhüllt und versteckt werden.

 

Interessanter Ansatz – aber ob das hilft?

 

Es bleibt die radikale Akzeptanz

Und so fehlt auch mir der Bezug oder die Motivation, mich selber positiv meiner Haut gegenüber zu zeigen. Es fällt mir schwer, denn tatsächlich mag ich ja selber nicht sehen, was ich an mir sehe. Mir bleibt eigentlich nur die radikale Akzeptanz. Ändern kann ich es nicht, zumindest nicht, ohne mein Leben komplett von Grund auf umzustellen. Denn eine gluten- und zuckerfreie Ernährung (leider inkl. aller Zuckeralternativen wie Datteln oder Honig) sowie ein stressfreies Leben sollen magisch wirken. Hand aufs Herz, ich will nicht auf Süßes und ein leckeres Dinkelvollkorn hier und da verzichten. Ein stressfreies Leben kann ich meiner Haut leider derzeit auch nicht bieten. Heftige Medikation lehne ich grundsätzlich ab.

 

Also akzeptiere ich, dass die Haut ist, wie sie ist und trage so oft es geht weiter Kleider und Shorts. Ich fange die Blicke auf und versuche, sie an mir abperlen zu lassen. Und ich blogge darüber, um zu mehr Realität aufzurufen. Magazine, zeigt viel mehr „un“-perfekte Frauen! Hautkranke, zeigt euch – mit all euren „Makeln“! Menschen, zeigt mehr „Verständnis“ und ermutigt eure Bekannten, sich mehr zu öffnen! Ein bisschen nach der Maxime von Casper und Marteria: alles verboten – trotzdem machen!

<3

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