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Ein Herz für Müll – Richtig wegwerfen ist eine Wissenschaft für sich

Credit: Nicola Fiovaranti / Unsplash

Ich bin Kirsten. Und ich kenne Julie. Und da Julie mich kennt und weiß, was ich beruflich so treibe, nämlich, mir den Kopf über Nachhaltigkeit zu zerbrechen, hat sie mich gebeten, mal etwas über Verpackungen, Verpackungsmüll und Recycling zu schreiben. Nichts lieber als das!

 

Die beste Verpackung…

… ist natürlich keine Verpackung. Wer es schafft, zu „Unverpackt“-Läden zu gehen, der tut, sofern er nicht erst zig Kilometer mit dem SUV angefahren kommt, sicher nichts Verkehrtes. Ich war offen gestanden noch nie in einem Unverpackt-Laden, weil ich zu unkoordiniert bin, um meine eigenen Behälter einzupacken und eben nicht durch den Transport meiner Wenigkeit und anschließend meiner Wenigkeit plus der Lebensmittel die Ökobilanz wieder komplett zu versauen. Außerdem habe ich durch lange Jahren in der Lebensmittelindustrie und enge Zusammenarbeit mit Lebensmittelchemikern gelernt, was alles durch (natürlich auch unbeabsichtigt) unsachgemäße Lagerung mit Lebensmitteln schiefgehen kann, und stehe daher dem Konzept zwar aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten durchaus offen gegenüber, aber eine leichte Skepsis bleibt.

 

Papier als Lösung? Der Wolf im Marketing-Papierpelz

100 % sind 100 %, nicht 95, nicht 90, sondern 100 – basta. Daher empfinde ich Label wie das aus Großbritannien stammende „Plastic free“-Label als Greenwashing und Augenwischerei. Irgendwo im Kleingedruckten der Siegelvergaberichtlinien steht zwar, dass man geringfügige Kunststoffbeschichtungen erlaubt. Muss man ja auch, ansonsten würde das Papier nicht siegeln und es wäre Essig mit der Verpackung. In Deutschland darf man immerhin bis zu 5 % des Gesamtvolumens des Verpackungsmaterials mit Kunststoff arbeiten, um den Recyclingcode „PAP“ aufdrucken zu können. Der Recyclingcode ist übrigens dieses kleine Dreieck mit der Zahl in der Mitte und einem kryptischen Buchstabenkürzel darunter, das im Übrigen freiwillig auf die Verpackungen aufgebracht werden darf. Und wenn etwas freiwillig ist, man ahnt es, gibt es auch keine Instanz, die prüft, ob das alles so seine Richtigkeit hat. Blöd nur, dass Verbraucher dank des Recyclingcodes fröhlich pfeifend denkt, er täte etwas Gutes und diese Papierverpackungen, die keine sind, ins Altpapier wirft. Dort haben sie aber nichts zu suchen. Da das Auswaschen der Papierfasern viel zu aufwändig wäre, werden sie am Ende doch verbrannt. Und damit sind Papierverpackungen weniger nachhaltig als ihre reinen Kunststoffbrüder, die nämlich im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne zu Rezyklat verarbeitet werden und somit wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden können.

 

Schon Fotopapier, Thermopapiere (also das Spezialpapier, das häufig für Kassenbons verwendet wird) oder Backpapiere gehören nicht ins Altpapier. Sogar bei Geschenkpapier ist die Beschichtung zu massiv, um noch vernünftig recycelt werden zu können, und das ist auch nachlesbar z.B. auf den Trennhilfen des Grünen Punktes.

Credit: Mülltrennung Wirkt

Hilfe beim Wegwerfen

Diese Trennhilfen sind nicht ohne. Es gibt insgesamt drei DIN A4-Bögen, immerhin sehr ansprechend gestaltet, die man sich super in seinen Hauswirtschaftsraum oder an die Tür zum Abfalleimer hängen kann, um sich immer mal wieder zu vergewissern. Was ich nur empfehlen kann, denn richtiges Wegwerfen ist wirklich eine Wissenschaft für sich und es ist keine Schande, die Regeln nicht sofort parat zu haben, da es teilweise unlogisch erscheint. Ich beschäftige mich seit Jahren, wenn auch eher nebenbei, aber immerhin beruflich, mit Recycling und komme selbst immer noch ins Schleudern.

Viele Infos findet ihr bei: muelltrennung-wirkt.de

 

Das Geld für diese Aufklärungskampagne bekommen die dualen Systeme übrigens u.a. durch Abgaben, die die so genannten Inverkehrbringer von Lebensmitteln – also den Unternehmen, die für den Endverbraucher produzieren – an sie entrichten. Nach einer Gesetzesreform Anfang 2019 wurde der Kreis der abgabepflichtigen Unternehmen noch einmal deutlich erweitert und empfindliche Strafen für diejenigen vorgesehen, die ihrer Pflicht nicht nachkommen. Tatsächlich – auch hier griff wieder mal das Prinzip „Wo kein Kläger, da kein Richter“ – kam davor nicht mal die Hälfte (!) aller Unternehmen ihrer Pflicht nach, für die Verpackungen, die sie in Umlauf brachten, auch die Entsorgungsunternehmen pflichtgemäß zu bezahlen. Die übrigen haben davon profitiert, dass natürlich auch deren Verpackungen letztendlich im Gelben Sack oder im Altpapier landen und mitgenommen werden.

Credit: Etienne Girardet / Unsplash

Mitmachen is key

Beim Thema Kunststoffrecycling kommen von Kritikern mit unfassbarer Zuverlässigkeit eins der Killerargumente „So viele Parkbänke und Blumentöpfe brauchen wir doch gar nicht!“ sowie „Das Zeug wird doch eh nach Südostasien verschifft/verbrannt.“

Um es kurz zu machen: Klar ist beim Recycling nicht alles Gold, was glänzt, und es besteht noch deutlich Luft nach oben. Deswegen aber die Hände in den Schoß zu legen und Kunststoff grundsätzlich in die Restmülltonne zu kippen, weil angeblich nur Blumentöpfe aus dem Granlat gemacht werden oder alles eh verbrannt bzw. verschifft wird, das ist sicher der falsche Weg. Gebt also dem Verpackungsmüll zumindest die Chance, recycelt zu werden und den Recyclern die Möglichkeit, immer besser zu werden und die Recyclingquoten immer weiter nach oben zu schrauben... Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

 

Zum Schluss drei leicht verdauliche Recyclingtipps

1. Verpackungen immer in seine Bestandteile „zerlegen“ – auch, wenn beide Bestandteile in Gelben Sack bzw. die Gelbe Tonne gehören: Klebt nämlich der Aludeckel noch am Joghurtbecher, gibt’s Probleme in der Sortieranlage.

 

2. Apropos Sortieranlage: Jede Verpackung, die sich nicht in seine Bestandteile zerlegen lässt, wie beispielsweise mit Aluminium beschichtete Folienbeutel, ist auch nicht recyclebar. Erkennbar, sofern vorhanden, weil eigentlich nicht zulässig, auch am Recyclingcode „O“ (für „Other“) und der Ziffer 7. Diese Verpackungen können leider nur verbrannt werden und sind daher aus Nachhaltigkeitssicht echt keine gute Idee. Hierzu gehören übrigens gruseligerweise auch die Kassenbons, aber auch Bio-Kunststoffe wie PLA (kurz für „Polylactic acid“ bzw. Polymilchsäure, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden kann), die aktuell aufgrund der geringen Menge leider noch nicht recycelt werden können.

 

3. Bunte Glasflaschen gehört, was eher weniger intuitiv ist, in den Container für Grünglas. Und auch das erscheint unlogisch, aber: Behälterglas und Glas für Trinkgläser sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Trinkgläser bitte immer im Restmüll entsorgen. Bei zu hoher Fehlwurfquote in einem Glascontainers kann sogar die komplette Charge hinüber sein!

 

4. Statt des Gelben Sacks oder der Gelben Tonne heißt der Verpackungsmüll mancherorts auch „Wertstoffsammlung“. Hier hinein dürfen dann im schönsten Bürokratiedeutsch auch „stoffgleiche Nichtverpackungen“, so wie bei uns hier in Hamburg. Das bedeutet etwas vereinfacht, dass dann alles, was aus Kunststoff oder Metall besteht, auch in der Wertstofftonne entsorgt werden darf. Also zum Beispiel Duschvorhänge, Kleiderbüge oder sogar Pfannen und Töpfe.

 

Ob man es nun mit dem Gelben Sack oder der Wertstoffsammlung zu tun hat – denn beides sieht komplett identisch aus – erfährt man bei seinem lokalen Entsorgungsunternehmen.

 

Frohes Mülltrennen, eure Kirsten.

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