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Nachhaltigkeit mit Hund

Credit: Fabian Gieske / Unsplash

Wir erleben derzeit einen nie dagewesenen Hunde-Boom! Nicht zuletzt durch die Pandemie und das damit verbundene „viel Zuhause sein“, ist der Hundemarkt in Deutschland quasi leergefegt – laut Statista sind es 10,56 Millionen Hunde, die mittlerweile in deutschen Haushalten leben, Tendenz steigend. Und ungefähr 54.000 davon leben in der Hansestadt Hamburg. So viele Fellnasen verursachen naturgemäß auch CO2, zum Beispiel durch ihr Futter, ihre Gassibeutel, die Produkte, die ihre Besitzer*innen für sie kaufen. Ob diese Produkte wirklich sein müssen und ob man den CO2-Pfotenabdruck des Hundes auch verringern kann, zeige ich dir hier auf.

 

Zunächst einmal: Auch wir haben einen Hund. Und auch wir haben ihn noch nicht lange. Allerdings haben wir schon seit mehreren Jahren hin und her überlegt, aber erst im vergangenen Jahr haben die Bedingungen für diesen verantwortungsvollen Schritt gepasst. Natürlich sind auch wir direkt in die Konsumfalle getappt. Da wir uns für einen erwachsenen Rüden entschieden haben, bei dem wir noch nicht so genau wussten, ob er am nächsten Tag schon mit uns mitkommt, habe ich lauter Sachen gekauft, die ich rückblickend gesehen nicht gebraucht hätte. Und das, obwohl ich wochenlang viele viele Texte über Hunde gelesen hatte. Im Laden habe ich spontan und am Ende überflüssig einen Schlingnapf (tolle Sache, aber viel zu groß), einen Leckerlie-Beutel (nutzt jetzt mein Mann, ich stopfe die Leckerlies entweder direkt in die Manteltasche oder in eine Brottüte), einen Seilknochen (der Hund könnte sich nicht weniger dafür interessieren), einen kleinen Ball (Gähn) sowie das DEFU Bio-Hundefutter (Futterunverträglichkeit) gekauft. Ich habe nicht nur rund 120€ dafür gelatzt – wie man sieht, ich habe nichts davon wirklich gebraucht.

 

Für einen Hund kannst du soviel Geld ausgeben, wie für ein Kind. Es gibt unendlich viele Pflegeprodukte, Spielzeuge, Bekleidung und Geschirre. Du kannst dir für 285€ eine Louis Vuitton Leine kaufen. Das passende Halsband gibt’s für 235€. Schnäppchen, oder? Und das für einen Gebrauchsgegenstand, der beschmutzt und im Worst Case auch schon mal bekotet wird. Der deutsche Zoofachhandel hat laut Statista im Jahr 2019 netto rund 3,7 Milliarden Euro umgesetzt (Heimtierbedarf allgemein) – ein riesen Business also mit tierischen Familienmitgliedern. Aber was genau braucht ein Doggy eigentlich für ein zufriedenes Hundeleben? In Sachen Nachhaltigkeit und Hund ist das eigentlich ganz einfach: Weniger ist einfach Mehr.

 

Je länger ich meinen Hund kenne, je besser verstehe ich seine Bedürfnisse. Ich versuche, mich viel auf meine Intuition zu verlassen. Denn ähnlich wie beim Thema Kinder gibt es eine ganze Armada an Gut- und Besserwisser*innen, die im Netz ein zweites Zuhause gefunden zu haben scheinen. Oftmals fühlt man sich auf der Suche nach der richtigen Info ganz verloren. Ist Leinöl nun perfekt oder schädlich? Barfen oder doch lieber TroFu (Forensprech für Trockenfutter)? Egal was du suchst, du findest sicherlich genauso viele Befürworter*innen wie Gegner*innen im Netz. Sicher macht es hier Sinn, sich intensiv einzulesen, sich den Rat einer oder mehrerer Mediziner*innen einzuholen und dann schlussendlich mit deiner Intuition an die Sache heranzugehen.

Credit: Karsten Winegeart / Unsplash

Am Anfang steht das Futter – eine richtige Ideologie

Wie gesagt: Die Diskussion um die „richtige“ Art der Fütterung ist eines der Hauptstreitthemen bei Hundebesitzer*innen. „Auf jeden Fall barfen“, sagen die einen. Wenn sie regional und bio damit meinen, liegen sie vielleicht nicht ganz verkehrt damit. Allerdings gehört zum Barfen meines Erachtens ein ziemlich stabiler Magen des Herr-/Frauchens (denn ein Hund ist ein Allesfresser und das inkludiert zum Beispiel auch Augen) und auch beim Tier. Unser Hund hat zum Beispiel einen hyper-empfindlichen Magen und Frischfleisch kommt ihm derzeit nicht in den Napf. Zudem gehört eine Menge Fachwissen zum Barfen, denn vom Fleisch allein wird der Hund nicht glücklich. Viele essenzielle Nährstoffe müssen hinzugefüttert werden.

 

„Besser TroFu oder Dosenfutter“, sagen die anderen. Das wiederum wirft neben der ideologischen eine zweite Frage auf: die Verpackung. Eine Verpackung hat ja zunächst einmal eine Schutzfunktion. Besonders im Bereich Fleisch ist das sehr wichtig. Trockenfutter kann man zumindest in einigen großen Tierbedarf-Ketten auch lose kaufen, genauso wie Knabberkram wie Schweineohren oder Hirschgeweih. Punkt also für loses Trockenfutter. Allerdings gibt es Futtermilben, die das Futter verunreinigen und zudem Allergien beim Hund auslösen können. Da ist eine Folienverpackung wiederum ganz sinnvoll und in kleine Teile geschnitten, nimmt sie im Müll kaum Platz weg. Ob sie recyclebar ist, variiert von Hersteller zu Hersteller. Hier hilft ein Blick auf die Verpackung und eine Nachfrage im Kundenservice (habe ich im Zug die Blogbeitrags bei unserem Futterhersteller auch gemacht und warte noch auf Antwort). Beim Dosenfutter liegt das Problem auf der Hand: eine Dose ist aus Weißblech oder Aluminium – aber gerade Aluminium ist ein besonders stark problematischer Stoff, siehe dieser Wikipedia-Beitrag.

 

Zumindest was die Leckerlies angeht, kannst du jedoch volle Kontrolle behalten. Du machst sie einfach selber. Ganz einfach geht das mit frischem Obst oder Gemüse. Bitte recherchiere aber besonders gründlich, welche Sorten für deinen Hund in Frage kommen. Wichtig: Der Hundemagen kann Pflanzenfasern nicht ganz so einfach aufspalten: Du kannst aber helfen, ihm alle Nährstoffe verwendbar zu machen, indem du das Obst – zum Beispiel ein Stück Banane, mit der Gabel zerdrückst und dann erst verfütterst. Im Netz gibt es tolle Rezepte für Kekse zum Backen. Ein schönes Beispiel findest du bei meiner Lieblings-Foodbloggerin Lynn Hoefer:

Was ne Scheisse – wohin mit all den Hundehaufen!

So viele Hunde, so viele Kacktüten: Laut der Stadtreinigung Hamburg wurden im Jahr 2020 über 34 Millionen der kostenlosen Gassi-Beutel verteilt. Die Zahl der jährlich ausgegebenen Gassi-Beutel steigt dabei beständig. Im Jahr 2003 waren es gut eine Million, 2008 schon 13 Millionen, 2014 bereits 25 Millionen und 2019 30 Millionen. Und trotz der vielen Beutel lassen viel zu viele Menschen die Haufen einfach noch liegen. Finde ich persönlich eine Frechheit und schürt nur den Hass von Nicht-Hunde-Fans, die sich dann im schlimmsten Fall mit Rattengift revanchieren. Aber woraus sind diese vielen Beutel eigentlich? Ganz schön chemisch: HDPE = High Density Polyethylen = Polyethylen mit hoher Dichte. Besitzer*innen sind dazu aufgerufen, die Beutel ordnungsgemäß in die Mülleimer der Stadtreinigung zu werfen, damit sie hygienisch unbedenklich entsorgt werden können. Die Stadtreinigung gibt vor, sich bewusst gegen „biologisch abbaubaren“ Kunststoff entschieden zu haben. Das hat mehrere Gründe, die ich hier als Zitatform wiedergeben möchte:

 

„Aus unserer Sicht sind Gassi-Beutel aus verrottbaren Materialien nicht sinnvoll. Denn das grundsätzliche Problem, dass Gassi-Beutel ordnungswidrig auf öffentlichen Flächen abgelagert werden, wird dadurch nicht gelöst, sondern im Gegenteil sogar verschärft. Eine ordnungswidrige Entsorgung von gefüllten Gassi-Beuteln auf öffentlichem Grund würde in biologisch abbaubaren Beuteln verstärkt stattfinden, weil die Beutel ja ‚biologisch abbaubar‘ sind und die Nutzer der Beutel damit ein ‚reines Gewissen‘ hätten.

 

Es ist aber das alleinige Ziel der Gassi-Beutel, dass der Hundekot nicht liegen bleibt, da Hundekot vor allem ein hygienisches Problem und im Sommer auch ein Geruchsproblem ist. Darüber hinaus sind die sogenannten ‚biologisch abbaubaren‘ Kunststoffe entweder aus nicht nachhaltigem Material und/oder auf nicht nachhaltigem Wege hergestellt. Ein Teil der angeblich biologisch abbaubaren Plastiktüten hinterlässt gar Mikroplastikreste, die besonders im Meer nicht absehbare Folgen verursachen. Außerdem brauchen ‚biologisch abbaubare‘ Kunststoffe für den Zerfall in unserem Biogas- und Kompostwerk Bützberg mehr Zeit als die biologischen Abfälle, sodass sie dort als überwiegend nicht zersetzte Materialien den Kompost verunreinigen würden.“

 

Das ist für mich soweit schlüssig. Auch wenn wir selber biologisch abbaubare Kacktüten gekauft haben und auch nutzen, aber im Wechsel mit den angebotenen Beuteln der Stadtreinigung.

Credit: Isabela Kronemberger / Unsplash

Nachhaltige Hunde-Geschirre, Accessoires und wo man sie findet

Bei diesem Thema kannst du dich wie wild eindecken und auf Amazon den allerbilligsten China-Scheiß kaufen. Oder du suchst nach nachhaltigen Alternativen – zum Beispiel bei Wolters, die ich hier auch schon einmal vorgestellt hatte. Im Wolters-Shop finden sich die wichtigsten Utensilien für ein eco-friendly Leben mit Hund: Betten- und Matratzen aus biologischer Baumwolle und recyceltem Polyester oder Lederhalsbänder und -leinen aus ökologisch kontrolliertem Bio-Leder aus dem Allgäu – handgenäht und chromfrei. Unser Hund hat beispielsweise zwei Hundemäntel von Wolters. Die setzen bei der vor Näse und wässrigem Schmutz schützende Lage auf eine zertifizierte Imprägnierung Names ecorepel, statt auf eine, die auf PFCs (schädliche per- und polyfluorierten Chemikalien) basiert.

 

Ein weiterer, relativ neuer und total sympathischer Onlinestore für nachhaltige Hundeprodukte ist PetCrew. Die Gründer haben selber Hundeerfahrung und Geschäftsführer „Chief Woof“ Marc ist zudem ausgebildeter Tierheilpraktiker. PetCrew schreibt sich hohe Standards in Sachen Nachhaltigkeit auf die Fahne. So versenden sie plastikfrei, achten auf die Nachhaltigkeitsstandards der im Sortiment befindlichen Hersteller und spenden fünf Prozent ihres erzielten Nettogewinns an wohltätige Organisationen (zum Beispiel für saubere Weltmeere, Tierheime und wohltätige Zwecke). Im Shop gibt es wirklich richtig schöne Produkte, die eben neben der Nachhaltigkeit auch Wert auf Ästhetik setzen.

Was sonst noch? Mit dem Rad oder dem ÖPNV zum Ausflug, statt mit dem Auto zu fahren, versteht sich ja hoffentlich von selbst, oder? Plastik zu vermeiden, wo es nur geht, sollte auch im Mindset verankert sein. Es gibt viele tolle Bücher über Hunde (auch über die Naturapotheke beim Hund) gebraucht bei Medimops oder rebuy und bei meinem geliebten ebay Kleinanzeigen. Dort gibt es sowieso auch alles, was du doch an Zubehör haben möchtest – manches sogar neuwertig, da wie bei uns Näpfe oder Spielzeug gar nicht wirklich zum Einsatz kamen.

 

Ach… Fast hätte ich jetzt eines der mir wichtigsten Themen vergessen: die Pflege! Was nicht auf meine Haut soll, kommt erst recht nicht auf die meines Hundes! Hier halten wir es ganz simpel: Statt Hundeshampoos mit bedenklichen Inhaltsstoffen, nehmen wir Bio-Kernseife (wenn wir den Hund überhaupt mal baden). Als natürliche Fellpflege mischen wir Apfelessig und Wasser (1:2) und streichen damit sanft mit einem Waschlappen über das Fell, bevor es eine ausgiebige Streicheleinheit mit der Naturbürste mit Ziegenhaar gibt. Er liiiiiiiebt das und sein Fell ist weich wie nie, es wächst sogar besser. Zudem wirkt Apfelessig als natürliches Anti-Milben-Produkt. Auch Kokosöl gehört zu unserer regelmäßigen Pflegeroutine für besonders trockene Hautstellen und die Ohren. Zudem schlabbert er eine Mandel-große Portion von der Hand. Denn auch innerlich wirkt Kokosöl gegen Parasiten. Auf keinen Fall geben wir unserem Hund Nervengift-Präparate, die man beim Tierarzt als Zecken- oder Flohschutz bekommt.

 

Zum Schluss gibt’s noch was Lustiges: PULS-Reporterin Ariane hat einen ziemlich lustig anzusehenden Selbstest gemacht und versucht, das Halten ihres Dackels Wolfgang nachhaltig zu gestalten:

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Kommentare: 1
  • #1

    Kristin (Montag, 15 März 2021 10:47)

    � super Beitrag.