Die „Laune der Natur“ – der neue coole Bioladen auf der Uhlenhorst

Bioladen-Betreiberin Sarah Ehrlich von der Lauen der Natur schaut lächelnd durch ihr Schaufenster

Credit: Laune der Natur I Jäger

Bei uns im Kiez auf der Uhlenhorst hat ein neuer, sehr cooler Bioladen aufgemacht. Klingt nicht aufregend? Finde ich doch! Die „Laune der Natur“ und deren Betreiber*in sind nämlich was ganz Besonderes.

Schon als ich vor einigen Monaten mit meinem Hund eines Morgens vor dem Schild im Schaufenster stand, auf dem „Hier eröffnet bald ein neuer Bioladen“ zu lesen war, war ich schwer entzückt. Ich bin wirklich verwöhnt, mit fußläufig erreichbaren Supermärkten und einem ganz klasse Obstladen – aber eben keinem Bioladen. Als ich mich dann auf der Webpage der neuen Perle in unserem Viertel umgeschaut habe, war ich noch beeindruckter: Der kleine Vollsortimentladen hat ein spannendes Mitgliedermodell.

Die Idee zu Laden und besagtem Modell hatten zwei Ur-sympathische Hamburger. Sarah Ehrich und Oliver Frank, sie bisher erfolgreiche Redakteurin für diverse Food-Magazine und er Musikmanager für Hamburger Superstars wie Blumfeld, Tocotronic oder Bela B. Die Beiden wohnen gleich gegenüber der Geschäftsfläche, die heute das „Laune der Natur“ beheimatet. Als das dort bislang ansässige Matratzengeschäft im letzten Jahr schloss, war ihnen klar: Das ist der Traumladen, wir machen das jetzt. Und das in diesen vermeintlich sehr unsicheren Corona-Zeiten! Respekt! Ich habe den Beiden ein paar Fragen gestellt, um sie erklären zu lassen, wie sie auf diese tolle und doch herausfordernde Idee kamen.

Sarah ERich und Olli Frank sitzen in ihrem Bioladen auf einer Bank und lächeln in die Kamera

Sarah & Olli in ihrem schmucken Café-Sitzeckchen

junieundich: Ihr kommt beide aus ganz „artfremden“ Job-Bereichen. Wie kamt ihr darauf, einen Bioladen zu eröffnen und das gerade in so einer verrückten Zeit?

Sarah&Olli: Mit der Laune der Natur haben wir den Laden aufgebaut, den wir uns immer gewünscht haben. Wir wohnen direkt gegenüber der Ladenfläche, die sich an der großen Kreuzung direkt an der Stadtteilgrenze von Uhlenhorst und Barmbek-Süd befindet. Fußläufig bekam man bisher nur Discounter-Bio. Der nächste inhabergeführte Bioladen ist nicht gerade um die Ecke und auch der nächste Wochenmarkt ist recht weit weg. Insofern war uns klar, dass die Versorgung mit frischen, biologisch erzeugten Lebensmitteln eine Lücke im Stadtteil schließen würde. Im Sommer 2020 haben wir angefangen, intensiv darüber nachzudenken, wie ein solcher Laden aussehen könnte. Als dann unsere jetzige Ladenfläche frei wurde, fühlte es sich total logisch an: Wir müssen das machen!

Ja, wir leben in einer verrückten Zeit. Der Klimawandel ist Realität. Konzerne geben vor, was und wie wir zu konsumieren haben. Die Folge sind Monokulturen, unfaire Produktionsbedingungen und Massentierhaltung. Wir als Einzelpersonen können vielleicht nicht die Welt verändern, aber wir können in unserem Stadtteil ein Angebot machen, das es den Anwohner:innen ermöglicht, anders einzukaufen. Alle Produkte in unserem Laden stammen aus zertifizierter Bio-Produktion, viele tragen zusätzlich das Bioland- oder Demeter-Siegel. Bei der Auswahl der Lieferanten und Produkten geben wir, wenn möglich, immer den regionalen Anbietern den Vorrang. Gleiches gilt für Saisonwaren. So bieten wir zum Beispiel keine Himbeeren und Heidelbeeren aus südlichen Ländern an, wenn sie in wenigen Wochen auch aus Deutschland erhältlich sind. Und auch wenn die Bio-Gurke aus der Region doppelt so teuer ist wie die Bio-Gurke aus Spanien, entscheiden wir uns trotzdem ganz bewusst dafür. Außerdem achten wir darauf, dass man möglichst plastikfrei einkaufen kann. Wir führen diverse Produkte in Pfandgläsern, Brot und Brötchen gibt es auf Wunsch im Stoffbeutel, der in der Nachbarschaft genäht wurde, und Obst und Gemüse ist sowieso ausschließlich als lose Ware erhältlich.

Wir sind fest überzeugt davon, dass viele Menschen sich gerade in Zeiten der Pandemie Gedanken über ihre Art des Konsums und der Ernährung machen. Die Fleischskandale der letzten Monate sind ein gutes Beispiel dafür. Der Fleischkonsum ist seitdem zurückgegangen. Es besteht der Wunsch, sich regionaler, klima- und tierfreundlicher und gesünder zu ernähren. Hierfür machen wir ein Angebot, das bisher im Stadtteil gefehlt hat. Das macht uns übrigens riesigen Spaß. Sarah hat ihren Agentur-Schreibtisch-Job dafür aufgegeben und es bisher keinen Tag bereut. Olli betreibt sein Musikmanagement weiter. Der Kontakt zu den Leuten im Stadtteil und der Umgang mit all den guten Produkten, kann einen nur glücklich machen!

Wieso habt ihr euch für das Mitgliedermodell entschieden und wie rechnet sich das?

Erst einmal ist es uns ganz wichtig zu betonen, dass bei uns jede und jeder einkaufen kann – egal ob Mitglied oder nicht. Jeder Artikel hat zwei Preise, der höhere orientiert sich an der Preisempfehlung des Herstellers. Mitglieder zahlen je nach Warengruppe 20 bis 30 Prozent weniger. Dafür beteiligen sie sich mit einem festen monatlichen Beitrag an unserer Einkaufsgemeinschaft. Dieser bemisst sich an der Anzahl der Haushaltsmitglieder. Pro erwachsene Person kostet die Mitgliedschaft 28 Euro monatlich, für Kinder kommt unabhängig von der Anzahl und deren Alter eine Pauschale in Höhe von fünf Euro dazu. Diesen monatlichen Beitrag kann man sich als eine Art Vorauszahlung auf die Mitgliederpreise vorstellen. Sobald man pro Monat und erwachsener Person mehr als ungefähr 80 Euro bei uns im Laden umsetzt, zieht der Rabatt. Wer in der Nachbarschaft wohnt und gern Bio kauft, ist schnell bei diesem Betrag.
Kurzum: Die Mitglieder schenken uns ihre Treue, dafür schenken wir ihnen einen Teil unserer Marge. Dieses Modell ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Unsere Mitglieder erhalten beste Bio-Lebensmittel zu einem wirklich günstigen Preis. Wir können unsere Umsätze und Wareneinkäufe realistisch kalkulieren und sind außerdem nicht gezwungen, mit den Rabattschlachten der umliegenden Discounter mitzuhalten. Wir kaufen unsere Waren zu fairen Preisen ein, die es den Erzeuger:innen ermöglichen, ihre Arbeit zu machen. Übrigens gibt es in Deutschland und auch in Hamburg Läden, die so oder ähnlich wirtschaften, zum Beispiel die Warenwirtschaft in Ottensen. Wir halten das für ein wertvolles Einkaufsmodell, von dem es ruhig noch viel mehr geben könnte!

Ich finde besonders die Produktauswahl total spannend – habt ihr euch hier an eurem Geschmack orientiert, Freunde und Bekannte gefragt oder seid ihr durch andere Läden gestreift, um euch inspirieren zu lassen?

Zunächst einmal war es uns wichtig, dass wir ein Vollsortiment anbieten, dass man also von Apfel bis Zahnbürste alles für den alltäglichen Bedarf bei uns bekommt. Da wir selbst seit vielen Jahren Bio-Lebensmittel kaufen, kannten wir viele Produkte und Hersteller bereits. Wir haben ein halbes Jahr vor Ladeneröffnung begonnen, das Sortiment zusammenzustellen und dabei viel verkostet und recherchiert. Neben dem Geschmack haben wir dabei auf Regionalität geachtet und dass wir zu möglichst vielen Artikeln eine Alternative ohne Plastikverpackung anbieten. Insgesamt stehen über 2.000 Produkte bei uns im Laden. Und das Sortiment verändert sich ständig, denn unsere Mitglieder gestalten es aktiv mit – etwa indem sie uns ihre Wünsche mitteilen, Sonderbestellungen machen oder uns auch ehrliches Feedback geben, wenn ein Artikel nicht den Erwartungen entspricht. Das ist ja das Schöne an einem Nachbarschaftsladen: Mit uns kann man reden – gern auch bei einem leckeren Kaffee vor dem Laden oder in unserem Sitzbereich. Alles in allem ist das Einkaufen bei uns eine sehr entspannte Angelegenheit.

Welches sind eure Top 3 Lieblingsprodukte, die ihr auch im Laden habt?

Gar nicht so einfach, drei herauszupicken! Ganz toll finden wir die Pfandgläser von ‚Unverpackt für alle’. In den Gläsern gibt es alles Mögliche von Reis bis Kaffeepulver, von Nüssen bis Haferflocken. Und wenn sie leer sind, bringt man sie einfach zurück. Plastikfrei einkaufen kann so einfach sein.

Außerdem ganz oben auf der Liste: Das Craft Kraut von Suur aus Hitzacker. Das ist fermentiertes Kraut mit besonderen Rezepturen. Schmeckt mega und das Mikrobiom jubelt vor Freude. 


Ich finde es extrem inspirierend, dass gerade in diesen Zeiten Menschen auch bereit sind, andere Wege zu gehen. Gänzlich andere Wege als zum Beispiel Lieferbringdienst „flink“, der vor wenigen Wochen genau gegenüber des „Laune der Natur“ eine Filiale aufgemacht. Das Geschäftsmodell des 10-Minuten-Lieferdienstes könnte nicht weiter weg sein von der Wertschätzung guter, mit Liebe angebauter, geernteter und ausgesuchter Lebensmittel. Ich wünsche mir definitiv lieber mehr Sarahs & Ollis als Gorillas & flinks. Und jetzt gehe ich los, mir bei der Laune der Natur meine heißgeliebte Vivani-Schokolade nachzukaufen. Dauert keine zehn Minuten …

Fotocredit: Laune der Natur I Jäger

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