Yoga People in Haltern am See – Maria Schotte und christliches Yoga
Ganz dem Motto des beginners mind, versuche ich, möglichst oft über den berühmten Tellerrand zu schauen. Und stieß deshalb unlängst auf das Thema „Christliches Yoga“. Wie spannend, dachte ich und tauchte ein wenig ein. So stieß ich auf das Institut „Sela“ und dort fand ich das Profil von Maria – die ich kurzerhand in die, mittlerweile beträchtlich gewachsene, Rubrik „Yoga People“ einlud! Vorhang auf für eine besonders interessante Reise durch eine Yoga-Biografie mit Maria.
Liebe Maria, erzähle uns doch kurz, wie du zum Yoga kamst
Ein herzliches Hallo aus Haltern am See. Ich freue mich, dass Julia mich angeschrieben hat und mir hier als “Spätberufene” ein Podium gibt, um meine Yogaerfahrungen und mich vorstellen zu können. Ich habe über die Jahre mal gelegentlich in Yogakurse hineingeschnuppert. Aber kein Kurs hat mich so begeistert, dass ich dabei geblieben bin. Dann entdeckte ich ein Tagesangebot für Christliches Yoga bei Pia Wick, Sela – Institut für Christliches Yoga. Diese Form, Yoga zu praktizieren, hat einen Funken in mir entzündet. Ich habe mich für die Ausbildung zur Sela-Yogalehrerin entschieden. Es war eine intensive und herausfordernde Zeit, die mir viel Freude gemacht hat. Im Alter von 64 Jahren habe ich dann im vergangenen Jahr die Abschlussprüfung gemeistert.
Was erwartet Menschen, wenn sie sich für dein Yoga-Angebot interessieren?
In meinen 90-minütigen Yogastunden haben die Menschen viel Zeit und Raum, anzukommen, zu sich zu finden und durchzuatmen. Wir praktizieren gemeinsam Hathayoga. Elemente der Stunde sind Atemübungen, Entspannungstechniken, ein Ein- und Ausklang der Stunde mit leichten Dehnübungen, Asanas und das Gebet. Zu Beginn lese ich eine von mir ausgewählte Stelle aus der Bibel vor und teile meine Gedanken dazu. In der Bibel, hauptsächlich in den alten Ausführungen, findet sich viel Körperlichkeit, sodass wir für unsere Übungen gleich einen Anknüpfungspunkt haben. Z. B.: „Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ (Mt 11,30). Ein Joch tragen die Zugtiere, um einen Pflug oder Karren zu ziehen. Im Alltag diente es früher auch als Tragebalken für Menschen, um z. B. Wassereimer zu transportieren und auszubalancieren. Dieses alte biblische Bild kann die TeilnehmerInnen der Yogastunde einladen, die eigene Last, die oft im Schulter-Nacken-Bereich spürbar ist, achtsam wahrzunehmen und zu reflektieren. Hier setze ich dann z. B. entlastende Schulter- und Nackenübungen ein, um den Menschen ein Werkzeug für den Alltag an die Hand zu geben. So kann der Bibeltext auch körperlich wahrnehmbar werden. Im Körpergebet und stillem Gebet kann ich mich entlasten und all das vor Gott bringen, was mir allein zu tragen zu viel ist. Ich kann loslassen und abgeben. Gott trägt mit. Wir haben keinen Körper, wir sind Körper. Unser Leben, unser Körper ist ein Geschenk Gottes an uns. Weil er uns liebt. Das ist Grund genug, achtsam mit unserem Leib umzugehen. Ich kann erfahren, dass die Übungen nicht perfekt sein müssen. Ich bin mit dem, was mir gerade möglich ist, angenommen und kann gelassen meine Grenzen annehmen. Im Christlichen Yoga geht es nicht um Selbstoptimierung. Es geht um Selbstannahme und darum, dem Körper das zu geben, was er benötigt. Solerne ich, auch persönlich als alternde Frau, liebevoll mit meinen körperlichen Veränderungen umzugehen und positiv aktiv zu bleiben.
Wo gehst du selbst gerne zum Yoga, falls du auch mal woanders hingehst?
Regelmäßig nehme ich online am Kurs meiner Ausbilderin teil, um mein Wissen zu vertiefen und über die eigene Erfahrung neue Impulse in die Arbeit mit meinen Gruppen zu bringen. Eigentlich mag ich den Yogaunterricht in Präsenz lieber. Da der Weg zu meiner Lehrerin etwas weiter ist, verzichte ich mit Blick auf die Umwelt auf den Unterricht vor Ort. Jeden Montag setze ich mich außerdem auf mein Fahrrad und praktiziere in einem Yogastudio in meiner Stadt. Dort kann ich gemeinsam mit anderen Teilnehmern üben und mich von anderen Yogapraktiken inspirieren lassen.
Welche Yoga-Trends haben dich zuletzt begeistert – oder genervt?
Ich beobachte gerade Trends wie Yoga und Wein oder Yoga auf dem SUP. Mich begeistert die Kreativität der Menschen, die diese Kurse anbieten. Gleichzeitig spüre ich innere Bedenken. Brauchen wir Menschen immer etwas Neues, um uns spüren zu können? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Wiederholungen und beständiges Üben mich intensiver in die Tiefe führen.
Deine Stadttipps – nicht nur für Yogi*nis
Haltern am See ist eine lebens- und liebenswerte Stadt. Der Halterner Stausee lädt zum Schwimmen und Segeln ein. Im Sommer besuche ich gerne die Veranstaltung “Strandcomedy am See”. Es ist wunderschön, mit den Füßen im Sand und einem Glas Wein in der Hand die Lachmuskeln zu stärken. Das neue Fahrgastschiff “Möwe” ist ein echtes Highlight. Für Menschen jeder Altersgruppe ist die Fahrt über den See ein Erlebnis. Die Heidelandschaft und die Wälder rund um die Stadt bieten viel Raum für sportliche Aktivitäten. Ich mag es, mit dem Fahrrad oder zu Fuß um den Halterner Stausee zu radeln oder zu wandern. Moderne und auch urige Lokale laden zum Ausruhen ein. Wer noch Energie hat, kann im Kletterwald seine Höhenangst überwinden (ich bin noch nicht über die niedrigste Stufe hinausgekommen …). Wer geschichtlich interessiert ist, nimmt an einer Führung durch die Altstadt teil oder besucht das Römermuseum. Wir haben in Haltern am See noch viele von Inhabern geführte Geschäfte. Da steht die persönliche Beratung der KundInnen im Mittelpunkt. Ein Einkaufsbummel lohnt sich.
Wie gehst du – privat wie beruflich – mit dem Thema der kulturellen Aneignung und Yoga um?
Das heutige, westliche Yoga ist ein Mix aus alten indischen Elementen und europäischen Körperübungen (als Folge der Kolonialgeschichte der Engländer in Indien). Yoga an sich ist keine Religion und an keine Religion gebunden. Es ist eine wirkungsvolle Technik und Philosophie, die alle Menschen nutzen können, um ihre Stille- und/oder Gebetspraxis konzentrierter leben zu können. Als religiöser Mensch kann ich mich fragen:Wem gehört mein Herz? Wen bete ich an? „Prüfet alles und behaltet das Gute“, sagt der Apostel Paulus (1. Thessalonicher 5,21). Wenn wir dazu bereit sind, können wir von allen Völkern und deren Stärken lernen.