90s Clean Look: Fair Fashion und Naturkosmetik à la Carolyn Bessette-Kennedy

Eine Collage zeigt verschiedene Fair Fashion Mode im Stil von Carolyn Bessette-Kennedy. Dabei sind nachhaltige Oberteile, Röcke und Mantel

Fotos: PR

Ich bin spät dran. Der Hype um Carolyn Bessette-Kennedy ist in der digitalen Zeitrechnung schon vor Jahrhunderten entstanden. Mir egal. Erstens nutze ich kein Social Media, Trends gehen deshalb regelmäßig an mir vorbei. Zweitens war ich dabei, in den 90s. Ich trug den Look. Und andere. Denn die 90s waren vor allem bunt & schrill, man versuchte, den über-kapitalistischen Yuppie-Mief der 1980er wieder loszuwerden. Ethnomuster, Grunge, Surfmode, Techno-Kleidung und die Girlie-Power-Bewegung mit ihren Zöpfchen und kurzen Kleidchen.

 
 

Und ich? War mittendrin und voll dabei. Ich war 13, als die 90er begannen. Und ich trug Plastikröckchen zur Rave-Zeit, über Fleece-Jacken mit poppiger Swatch-Uhr zum Funsport und sämtliche Buffalo Sneaker, Stiefel, Clogs, die diese Super-Brand in den 90ern auf den Markt warf. Meine Orthopäden freuen sich heute noch über ihr gutes Einkommen, verursacht durch die schweren Holz-Plateausohlen. Ich war Girlie, Grungie, Rapperin, Raverin und zog mir meine modischen Eingebungen zuerst aus der BRAVO Girl, später aus der Cosmopolitan. Zu meinem Leidwesen war ich nie eine CBK, die ein gutes Auge für sich, für Passformen und Texturen und vor allem die richtige Kleidung zur richtigen Gelegenheit hatten. Ich war eher, sagen wir mal, experimentierfreudig.

Gut, auch ich trug Jeans, Beeren-Lippenstift, Turtleneck, schwarze Hosen; ich trug auch MAC-Lippenstifte und schwärmte für das Make-up von Bobbi Brown. Aber eben auch für Plastik, Flokati, Buffalos, Sonnenblumen, Bindi-Aufkleber, Fake-Piercings … und ich war eine blutjunge PR-Frau. So wie einst Carolyn Bessette-Kennedy, um die gerade kontrovers diskutiert wird. Von der Süddeutschen zur Fashion-Vloggerin, alle haben eine Meinung dazu, ob man den Stil der New Yorkerin nun kopieren darf, oder nicht. Ob der Hype gerechtfertigt ist, oder eben nicht, yada, yada, yada. Mir egal, ich beteilige mich nicht daran, ich konzentriere mich auf das, was ich damals mochte und heute noch mag: der Style. Den konnte man ja auch in den letzten dreißig Jahren gut tragen. Plus: Die Recherche in den Tiefen der 1990er Jahren hat mich so wahnsinnig inspiriert. Weil ich so viele echte Gesichter dabei sah. Analoge Fotografien, ohne Filter. Echte Körper, authentische Mimik. Ich liebe meine 90er, ganz ohne sie zu idealisieren. Aber es war meine allerbeste Zeit und die lasse ich mir nicht wegdiskutieren.

 
Ein Screenshot zeigt Google Suchergebnisse von Carolyn bessette-kennedy ähnlicher Mode
 

Fair Fashion meets 90s Clean Chic, Frugal & Minimalism

Heute trage ich ausschließlich Fair Fashion. „Amazon finds“ oder Shein und Temu Dupes hätte eine Frau wie Carolyn Bessette verabscheut. TikToks zu billigen Kopien hätte sie lächerlich gefunden. Schließlich galt sie als ausgewiesene Mode-Expertin und Muse von Versace. Gianni Versace. Sie hätte nie billige Ultra-Fast-Fashion gekauft. Sie legte Wert auf sehr gute Qualität, hochwertiger Verarbeitung und Langlebigkeit. Fair Fashion bietet mir das. Plus: hohe Umweltschutzstandards, Zertifizierungen und zirkuläre Mode. Let’s go!

 
Eine Fotocollage zeigt Fair Fashion Mode im Stil von Carolyn bessette-kennedy. Wie nachhaltige Lederstiefel, fairer Mantel oder Oberteile, alle minimalistisch

Fotos PR

 

Der Mantel aus recycelter Wolle und recyceltem Polyester-Anteil von Honest Basic ist ohne Knöpfe, dafür mit Taillengürtel. Das zeitlose Design in Schwarz spricht für viele, viele Wintertage mit diesem fair hergestellten Buddy.

Ich hatte einen ganz ähnlichen Rock, wie diesen schönen Midirock „Leonne“ von LOVJOI in „Lunar Grau“. Das glänzende Jacquard-Satin, hergestellt aus nachhaltiger Viskose und LENZING™ ECOVERO™, ist besonders schön in Kombination mit Stiefeln. Zufällig hätte ich hier ja dieses besonders elegante Paar von Bobbies Paris! Vorhang auf für „Luma“ in der Nuance Brownie. Der Stiefel mit dem besonderen Absatz erinnert an die 1970er Jahre, ein Trend, der in den 90s ein Revival erlebte. Handgefertigt in Portugal, natürlich fair. Lieben wir!

Und als Oberbekleidung zum Rock? Je nach Gusto kommt hier ein feiner Strickpullover mit kurzen Armen wie dieser hier von Hessnatur infrage, oder eine lockere Bluse wie dieses Exemplar von Wunderwerk. Und wer Ton-in-Ton gehen mag, der setzt direkt auf meine Love-Brand JAN 'N JUNE, denn das Ensemble „SERIN“ in Ivory bietet Wickeltop und fließenden Maxirock aus Viskose und Circulose in einem.

Ganz unkapriziös finde ich dazu passend die eckigen (90s!) Zehensteg-Pantoletten mit Sleek-karierten Zehen und geometrischer Laufsohle von Prev. Aus Apfelleder! Ich liebe die Innovationen der veganen Lederhersteller*innen. Es gibt so gute Alternativen zu Tierleid. Apfel, Mais, Kaktus, …!

Deshalb kaufe ich mir zum Geburtstag auch die Schlappen Palermo in Braun von Raramuri. Die bestehen nämlich aus Maisleder! Und sind zu Jeans, Rock, Shorts super einsetzbar. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Tasche, dann ist der Look komplett. Carolyn war bekannt für ihre großformatigen Taschen – leider von Hermès. Und das Hermès neben klassischen Ledern auch exotisches Tierleder wie Schlange, Echse, Krokodil, Strauß einsetzt ist nicht ok. Deshalb: lieber das vegane Exemplar von Canussa. Das vegane Leder ist hervorragend verarbeitet, verträgt den Weg zum Job oder zur Uni, zum Shopping oder als Reisegepäck. Gibt es in vier Farben. Und wo shoppst du all die schönen Dinge? Zum Beispiel bei Shop Like You Give a Damn oder beim Avocadostore!

 
Eine Fotocollage zeigt faire Mode im minimalistischen Stil von Carolyn Bessette-Kennedy. Wie faire Jeans, eine Luxus-Tasche oder Veja Sneaker.

Fotos: PR I NY: Ronny Rondon

 

Nachhaltiger Minimalismus – und Luxus darf sein

Speaking of Turtelneck. Der gute Rollkragen-Pulli, der mit Audrey Hepburn in Breakfast at Tiffany Einzug in die Kleiderschränke der Frauen der 60er Jahre fand, ist bis heute der Klassiker schlechthin. Meeting, Spaziergang, Arzttermin: passt einfach immer. Dieses schöne Stück von erlich Textil aus Lyocell wird fair in Portugal hergestellt. Dazu passend: Jeans oder Cordhose. Die flared Cut Jeans von Lanius steht auf meiner persönlichen Wunschliste und wird bald, ach so bald die Meine sein. Aus Bio-Baumwolle, die auch noch GOTS-zertifiziert ist. Ich höre sie ganz laut nach mir rufen! 


Die Cordhose gehörte zur Grundausrüstung in der Garderobe von Carolyn Bessette-Kennedy. Sie kombinierte diese zu Flats, Trainer oder Bootsschuhen und trug sie zur Gassirunde, zum Einkauf, zum Reisen. Wie wäre es also mit diesem Fair-Fashion-Modell von Hessnatur? Bequem wie eine Chino und gut kombiniert den ganzen Tag tragbar. Für kühle Tage passt zum Cord der Strickpulli von Nordlicht. Für mich einer der schönsten fairen Strickpullis, schon seit Jahren. Gibt es auch in moosgrün oder Burgunder.

Ein Slipdress gehörte zu einer minimalistischen Garderobe wie die Wolke zum Himmel. Meine Lovebrand Sézane macht die schönste Silhouette, wie ich finde. Kleid „Milli“ in Midilänge ist aus Bio-Baumwolle und mit Blazer hübsch am Tag, mit schönen Kittenheels für abends ideal. Beautiful! Oder lässig: Jeansjacke und die mittlerweile ikonischen Fair Fashion Sneaker von Veja dazu. Der Campo Canva in white/black. Es fehlen noch: Accessoires. 

Ja, man kann die Cartier Uhr durchaus tragen. CBK trug sie zu allen Outfits, hatte aber auch eine Geschichte dazu, denn sie gehörte einst ihrer Schwiegermutter, Jacqueline „Jackie“ Lee Bouvier Kennedy Onassis. Es gibt solche Vintage-Cartier-Uhren bei Vestiaire Collective. Kostenpunkt: knapp 1.500 €. Oder man nimmt die auch sehr schöne, nachhaltige Version von Holzkern. Die kostet ein Zehntel, und auf eine Cartier kann man dann ja immer noch sparen. Und die Tasche? Die ist das Luxusteil bei dieser Collage, sie stammt aus dem Atelier des Berliner High Fair Fashion Designers William Fan. Den findet man öfters hier auf dem Blog. Warum? Weil ich seine Arbeit verehre. Diese Tasche ist, leider, aus Leder, in Kroko-Prägung. Fan fertigt in China – aber als Ehrung seiner Heritage, nicht als Ausbeuter von Sweat-Shops. Wir reden hier von verwendeten Zirkulärer Mode mit Deadstock Materialien und echter Handwerkskunst in Familienbetrieben.

 
 

Clean, cool, conscious: Naturkosmetik und Accessoires im CBK-Style

Die Beauty und Make-up Routine der 1990er war simpel. Keine 21-Steps-Routine unter der Dusche, gefolgt von 11-Step-Skincare, gefolgt von 8-Steps-Schlaf-Routinen. Gut so. Die Haut will eigentlich wenig und wenn, dann will sie cleane Rezepturen. Ohne Silikone, Parabene, Sulfate und Co. Ich hätte in meinem 4qm großen Bad damals auch gar keinen Platz gehabt, für die Overconsumption-Trends von heute. Auch Carolyn Bessette-Kennedy hielt es simpel. Sieben Minuten soll sie gebraucht haben, für Duschen, Haare, Make-up. Das bestand entweder aus einem ungeschminkten Gesicht, oder Mascara, ihrem Eyeshadow von Bobbi Brown in der Nuance „Bone“ und dem „Ruby“ Lippenstift, ebenfalls Bobbie. Manchmal griff sie zu „Spice“ von MAC. Und natürlich: ihr berühmtes Egyptian Musk Oil, dass sie, so die Legende, bei New Yorker Straßenhändlern erstand. Mein Musk war selbstverständlich das White vom Body Shop. Teenager! Später zog es mich zu Donna Karans „Swan“, ein so wundervoller, erdiger Duft, den gab es gar nicht erst im spröden Deutschland. Ich musste ihn mir aus New York mitbringen lassen.

Zurück in die Zukunft und zurück zu Naturkosmetik und nachhaltigen Accessoires!

 
Eine Collage zeigt Naturkosmetik Make up im Stil von Carolyn bessette-Kennedy mit Lippenstiften, Musk Parfum, Schildplatt-Haarreif

Fotos: PR I Vogue

 

Carolyn verbrachte viele Wochenenden außerhalb der Stadt und brachte dabei ihr leichtes Gepäck regelmäßig in ihrer überquellenden L.L. Bean „Boat and Tote“-Bag von A nach B. Ich würde dafür auf die Beach Bag von Souleway setzen. Ressourcenschonend, mit natürlichen Materialien und fair hergestellt. Gibt es im Avocadostore.

Cleane Nägel waren das Ding in den 1990er Jahren. Zwar gab es Nagellack, aber oft trug Frau Natur. Mit dem Maniküre-Set von gitti kann man sich erst gepflegte Nägel machen und dann nach Lust & Laune aus den hunderten Shades Farben aussuchen, oder im Clean Look bleiben. Das Set umfasst Glasnagelfeile (ich schwöre darauf!), einen Buffer aus Glas für ebene Nagelplatten und einen Glasschieber für die Nagelhaut. Über gitti.

Flip-Flops zu Jeans waren ein gewohnter Anblick von Carolyn Bessette-Kennedy und ich liebe den Look nach wie vor. Diese hier von JAN 'N JUNE x Sleepers setzten auf Naturkautschuk. Das verhindert Mikroplastik auf den Straßen. Genau. Wir alle hinterlassen mit Gummisohlen Mikroplastik-Abreibungen bei jedem Schritt. Nicht gut!

Recycelter Kunststoff hingegen bietet die Sonnenbrille in Schildplatt von Eco Shades. Und auch im Schildblatt-Stil: der Haarreif von Redwood. Aber aus einem besonders interessanten Material: Rhodoïd Celluloseacetat ist ein in Italien aus Baumwolle hergestelltes Plattenmaterial. Der Reif kommt in 22 verschiedenen Mustern und wird fair in Frankreich hergestellt.

Wie gesagt, beerige Töne auf den Lippen waren durchweg (m)ein go-to der 90er. Heute trage ich na klar nur Naturkosmetik-Produkte, wie die von Le Rouge Français. Die Brand versteht sich wie keine andere in der Extraktion pflanzlicher Farbpigmente mit dieser unverwechselbaren, mondänen französischen Eleganz. Back off, Dior! Auch die Nuance Amber Light als Lipstick von Ilia Beauty wäre meine Wahl damals gewesen. Ilia Beauty trage ich schon lange, auch die Mascara Limitless Lash findest du in meinem Kosmetik-Beutel. Aus Bio-Sheabutter, Bienenwachs, Panthenol und kräftigendem Arginin. Mit perfekter Bürste zum Auftragen! Dazu ein zurückhaltender Eyeshadow wie „Oatmilk“ von Und Gretel und ready to go – less is more! 


Was fehlt jetzt noch? Eigentlich nur noch der Spritzer Parfum und ein Quäntchen Glanz für die Haare … Beginnen wir mit RAAW Alchemy’s „Last Resort Perfum Oil“. Ein erdiger Geruch von Holz, Amber und Kaschmir als molekularer Unisex-Duft, der mit Moschus veredelt ist. Natürlich vegan. Ebenfalls vegan ist das „I create Shine“ silikonfreie Finishing-Serum aus kaltgepressten Ölen, das pflegt, ohne zu beschweren. Es riecht betörend nach Lotosblumen und besteht überwiegend aus USDA zertifiziert biologischen Inhaltsstoffen wie Macadamiaöl oder Cranberryölen. Alle Produkte über Blanda Beauty. Über die habe ich hier ausführlich geschrieben. Take a look!

 

 

Und weil ich jetzt so viel von mir in den 90s geschrieben habe, bitte hier, ich war dabei. An diesen Merkmalen erkennst du ein waschechtes Foto von damals:

  • Die Wisch-Technik in Terracotta war DER Wandtrend Mitte der 90er Jahre.

  • Total schräg fotografiert, klar, analog

  • Keine Filter. What you see, is what you get.

  • Die Stiefel. Plateau bis zum Zehenbruch.

  • Die Augenbrauen – sie haben sich bis heute nicht erholt.

  • Der Drache auf dem Shirt. Wiederkehrendes Motiv, dass sich die Schreiberin hat tätowieren lassen, oder auch nicht. 🐉

 
Die Bloggerin Julia Köcher-Eckebrecht von junieundich in den 1990ern sitzt auf einem Stuhl und blickt in die Kamera
 
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