Yoga People in Rosenheim – Alja von Aljagogik mit Kinderyoga
Es ist immer wieder überraschend und berührend zu sehen, wie vielfältig Yoga sein kann. Bei der Recherche für neue Personen für diese Rubrik “Yoga People” finde ich immer wieder so viele spannende, tolle Menschen. Bei denen ich Lust bekomme, mehr zu erfahren.
So fand ich auch Alja: Alja ist integrale Kinderyogapädagogin, pädagogische Fachkraft und Fachwirtin für Kinder- und Hortmanagement (IHK). Warum, wieso, weshalb sie zum Yoga fand und warum ihr das in der Kinder-Pädagogik so wichtig ist, lest ihr hier.
Mich begeistert Yoga immer dann, wenn es mich und andere näher zu sich selbst bringt. Es verliert mich dort, wo daraus wieder Leistung, Optimierung oder perfekte Außenwirkung wird. Alja
Liebe Alja, erzähle uns doch kurz, wie du zum Yoga kamst.
Yoga ist für mich schon lange mehr als Bewegung auf einer Matte. Ich selbst brauche diese Momente, in denen der Kopf leiser wird und ich wieder mehr bei mir ankomme. Meditation gehört heute ganz selbstverständlich zu meinem Alltag, genauso wie unterschiedliche Formen von Yoga – vom ruhigen Faszienyoga bis zu Ashtanga-Yoga und Body Balance. Gerade weil in meinem Kopf oft vieles gleichzeitig läuft, habe ich irgendwann verstanden, wie wertvoll es für mich ist, über den Körper wieder in die Ruhe zu finden. Mit der Zeit begann ich, genauer hinzuschauen: Was passiert eigentlich, wenn wir bewusst atmen? Was verändert sich durch Körperwahrnehmung, Achtsamkeit und Bewegung? Und warum sollten wir damit erst als Erwachsene anfangen?
Diese Frage nahm ich mit in meine pädagogische Arbeit. Aus meiner eigenen Yogaerfahrung entstand zunächst Kinderyoga, später immer stärker meine ganz eigene Verbindung von Yoga und Pädagogik. Ich bildete mich weiter, entwickelte eigene Stunden und begann, regelmäßig mit Kindern Yoga zu praktizieren. Heute gebe ich zweimal wöchentlich Kinderyoga und vermittle meine Erfahrungen inzwischen auch an pädagogische Fachkräfte weiter. Irgendwann wurde mir klar, dass ich Kinderyoga nie nur als eine Stunde mit Asanas verstanden habe. Für mich geht es um Selbstwahrnehmung, Regulation, Bewegung, Gefühle, Achtsamkeit und darum, Kindern einen Zugang zu sich selbst zu ermöglichen. Und genau daraus ist schließlich meine Kinderyoga-Pädagogik entstanden: aus meinem eigenen Weg mit Yoga, meiner pädagogischen Erfahrung und der Überzeugung, dass Kinder sehr früh erfahren dürfen, wie es sich anfühlt, bei sich selbst zu Hause zu sein.
Was erwartet Menschen, wenn sie sich für dein Yoga-Angebot interessieren?
In meinen 90-minütigen Yogastunden haben die Menschen viel Zeit und Raum, anzukommen, zu sich zu finden und durchzuatmen. Wir praktizieren gemeinsam Hathayoga. Elemente der Stunde sind: Wer sich für eines meiner Angebote entscheidet, bekommt bei mir keine fertige Schablone und keine Pädagogik nach Rezept. Mir geht es darum, Wissen so zu vermitteln, dass es verständlich, praxisnah und wirklich im Alltag nutzbar wird.
Meine Angebote verbinden pädagogische Fachlichkeit mit Bewegung, Achtsamkeit, Selbstwahrnehmung und einer klaren Haltung zum Kind. Dabei geht es mir immer um die Frage: Was braucht ein Kind wirklich, um sich sicher zu fühlen, sich entwickeln zu können und sich selbst zu vertrauen?
In meinen Kinderyoga-Angeboten dürfen Kinder erleben, dass Yoga weit mehr ist als eine Abfolge von Übungen. Sie bewegen sich, entdecken ihren Körper, lernen ihren Atem kennen, kommen zur Ruhe und erfahren spielerisch, wie sie mit Gefühlen, Anspannung und innerer Unruhe umgehen können.
In meinen Fortbildungen und Seminaren erwartet Fachkräfte viel Praxis, ehrlicher Austausch und fundiertes pädagogisches Wissen. Ich möchte dazu anregen, Gewohntes zu hinterfragen, den eigenen Blick zu schärfen und neue Möglichkeiten für den pädagogischen Alltag mitzunehmen. Dabei arbeite ich immer so, wie ich auch selbst Pädagogik verstehe: auf Augenhöhe, lebendig und mit Raum für Individualität. Niemand muss bei mir in ein Konzept passen. Vielmehr geht es darum, die eigenen Stärken zu entdecken und Sicherheit im eigenen Handeln zu gewinnen. Mein Ziel ist, dass Menschen nach meinen Angeboten nicht nur neue Methoden kennen, sondern etwas mitnehmen, das bleibt: mehr Verständnis, mehr Klarheit und einen stärkeren Zugang zu sich selbst und zu den Kindern, die sie begleiten.
Welche Yoga-Trends haben dich zuletzt begeistert – oder auch genervt?
Mich nervt Yoga immer dann, wenn es zu sehr um Außenwirkung geht. Perfekte Posen, Leistungsdenken, Vergleich und dieses Gefühl, möglichst beweglich, ruhig oder spirituell wirken zu müssen. Gerade im Kinderyoga passt das überhaupt nicht zu meiner Haltung. Ich möchte keine Kinder, die etwas „richtig“ vormachen müssen. Ich möchte, dass sie ihren Körper kennenlernen, sich ausprobieren und spüren dürfen, was ihnen guttut.
Auch mit Achtsamkeit als bloßem Trendbegriff kann ich wenig anfangen. Für mich ist Achtsamkeit nichts, das hübsch klingt oder gut auf ein Konzeptpapier passt. Sie beginnt dort, wo ich mich wirklich wahrnehme und in Kontakt mit mir selbst komme. Begeistern kann ich mich dagegen für Yogaformen, die den Menschen ganzheitlich betrachten. Faszienyoga, ruhige Flows, Atemarbeit, Meditation, Körperwahrnehmung und besonders der Blick auf das Nervensystem interessieren mich sehr. Ich finde es spannend, wie Bewegung, Atem und kleine Regulationstechniken dabei helfen können, wieder mehr im eigenen Körper anzukommen.
Ich mag Yoga dann am meisten, wenn es undogmatisch bleibt. Unterschiedliche Körper, unterschiedliche Möglichkeiten, unterschiedliche Bedürfnisse. Niemand muss in eine Form passen. Im Kinderyoga kommen für mich noch Fantasie, Spiel, Gefühle und Selbstwirksamkeit dazu. Genau da wird Yoga für mich lebendig. Mich begeistert Yoga immer dann, wenn es mich und andere näher zu sich selbst bringt. Es verliert mich dort, wo daraus wieder Leistung, Optimierung oder perfekte Außenwirkung wird.
Wie gehst du – privat wie beruflich – mit dem Thema der kulturellen Aneignung und Yoga um?
Zuerst anzuerkennen, dass Yoga nicht im westlichen Fitnessbereich entstanden ist, sondern auf einer langen indischen philosophischen und spirituellen Tradition beruht. Wenn ich Yoga praktiziere oder weitergebe, möchte ich diese Herkunft nicht ausblenden. Gleichzeitig glaube ich, dass Yoga Menschen verbinden und für unterschiedliche Menschen zugänglich sein darf. Entscheidend ist für mich, wie wir damit umgehen. Ich möchte keine Symbole, Rituale oder Begriffe einfach übernehmen, weil sie schön aussehen oder gerade im Trend liegen. Wenn ich Mantras, bestimmte Atemtechniken oder philosophische Inhalte verwende, möchte ich zumindest wissen, woher sie kommen und was sie bedeuten. Gerade beruflich halte ich Transparenz für wichtig. Ich sehe mich nicht als Hüterin einer jahrtausendealten Tradition und beanspruche auch nicht, „das ursprüngliche Yoga“ zu vermitteln. Meine Arbeit ist Kinderyoga-Pädagogik. Darin verbinde ich Elemente aus dem Yoga mit meinem pädagogischen Wissen, Bewegung, Körperwahrnehmung, Achtsamkeit und Regulation. Diese Einordnung gehört für mich zu einem respektvollen Umgang dazu. Privat bedeutet es für mich vor allem, neugierig zu bleiben und weiterzulernen. Auch anzunehmen, dass ich nicht alles weiß und meine Perspektive eine westlich geprägte ist. Für mich liegt der Unterschied zwischen Wertschätzung und Aneignung deshalb vor allem in der Haltung: Kenne ich den Ursprung? Begegne ich ihm mit Respekt? Mache ich transparent, was ich weitergebe und woher es kommt? Und bin ich bereit zuzuhören, wenn Menschen aus der Herkunftskultur eine andere Perspektive darauf haben?
Mehr zu Alja findest du auf ihrer Webpage: aljagogik.de!
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