Yoga People in Hamburg – mit Olaf Bohn von Dulsberg Yoga

Der Yogalehrer Olaf Bohn aus Hamburg schaut in die Kamera, im Hintergrund ist Indien zu sehen

Credit: Olaf Bohn

 

Obwohl Olaf gleich ums Eck meiner alten Heimat Winterhude praktiziert und bei „Dulsberg Yoga“ sein geerdetes Hathayoga lehrt, habe ich ihn nur durch Zufall über Google gefunden. Und stieß auf den Satz:

Wenn mich jemand fragt, welches Yoga ich unterrichte, lautet meine Antwort: traditionelles, geerdetes Yoga – frei von esoterischem Ballast.

Das fand ich gut. Noch besser fand ich, dass Olaf wöchentlich neben der regulären Praxis und seinen Workshops auch Yoga im Gefängnis anbietet. Da habe ich ihn direkt in die Rubrik „Yoga People“ eingeladen. Hier lest ihr mehr über den Yogalehrer und Menschen Olaf Bohn!


Lieber Olaf, erzähle uns doch kurz, wie du zum Yoga kamst

Zum Yoga kam ich über Kampfsport. Meine Ninjutsu-Trainer betonten immer wieder, wie gut Yoga mir dabei helfen würde, zentrierter zu werden, doch zunächst hatte ich kein Ohr für diese Botschaft. Eines Tages erschien dann einer unserer Trainer mit einer Verletzung zum Unterricht und teilte uns mit, dass er den Kurs nicht leiten kann. Er bat eine yogaaffine Schülerin, mit uns das Warm-up in Form von Sonnengrüßen zu machen. Für mich gab es jetzt kein Entkommen und ich praktizierte meine ersten Asanas. Dieses Warm-up sollte mein Leben grundlegend verändern. Schon nach 15 Minuten Sonnengruß merkte ich: Das ist anders! Und vor allem: Das wirkt! Noch am selben Tag besuchte ich in meinem Fitnessstudio zum ersten Mal offiziell einen Yogakurs. 

Jahre später absolvierte ich meine erste Yogaausbildung in Rishikesh, Indien (200 YTT), und eine zweite in Pokhara, Nepal (300 YTT).

 
Eine Person in weißer Kleidung hält eine Klangschale in die Kamera, darin liegt eine buddhistische Gebetskette

Hanna Witte I Unsplash

 

Was erwartet Menschen, wenn sie sich für dein Yoga-Angebot interessieren?

Mein Stil, Yoga zu unterrichten, ist traditionell und fokussiert sich auf geerdetes und dynamisches Hatha und Vinyasa ohne esoterischen Ballast. Kein Kurs beginnt bei mir ohne Meditation und Pranayama. Anders gesagt: Müsste ich einen Kurs von nur 30 Minuten unterrichten, wäre der Aufbau exakt so: 7 Minuten Meditation, 7 Minuten Pranayama, 7 Minuten Sonnengrüße, 2 Minuten Baum, 7 Minuten Shavasana. Aber zum Glück gehen die meisten Kurse ja über 60, 75 oder 90 Minuten.

Und ich unterrichtete nie ohne Klangschale! Wenn ich die vergessen habe und keine Klangschale vor Ort ist, muss der Kurs leider ausfallen. Tut mir Leid!

Mein Motto: Gerne raus aus der Komfortzone, aber kein Stress! Yoga ist kein Wettbewerb und die perfekte Haltung in einer Asana gibt es nicht. Der Weg ist das Ziel, oder, um eine meiner Lehrerinnen zu zitieren: "Es kommt nicht darauf an, Asanas zu können, sondern Asanas zu üben". Dieses Zitat ist zu einem Leitsatz in meinen Kursen geworden.

 

Mykhailo Bykov I Unsplash

 

Wo gehst du selbst gerne zum Yoga, falls du auch mal woanders hingehst?

Meine Yogaheimat für meine eigene Praxis ist der ganz wundervolle YOGARAUM im Hamburger Karoviertel. Tatsächlich das erste Yogastudio, das es in Hamburg gab. Toller Raum, tolle Lehrerinnen und Lehrer und supertolle Leute dort! Traditionell und dynamisch ausgerichtet, also genau mein Ding. Mindestens 3 × wöchentlich bin ich dort. Sehr gut finde ich auch das kleine, aber feine HAMA-STUDIO in Hamburg Wandsbek. Dort liegt der Schwerpunkt auf Jivamukti-Yoga, welches ich zwischendurch immer wieder sehr inspirierend finde.

 

Jeppe Hove Jensen I Unsplash

 

Welche Yoga-Trends haben dich zuletzt begeistert – oder genervt?


Ich freue mich, dass sich Yoga zum Dauertrend entwickelt hat und inzwischen auch immer mehr Männer in die Kurse kommen. Was mich nervt, ist, dass Yoga noch immer als etwas Elitäres wahrgenommen wird und sich viele Studios auch daran ausrichten, was z.B. in der Preisgestaltung für Reisen oder Workshops seinen Ausdruck findet. Yoga sollte für alle da sein und die Studios sollten sich nicht nur an sehr gut verdienenden Leuten orientieren. Doch solange es genug Leute gibt, die die Mondpreise für die Veranstaltungen zahlen, wird sich daran wohl nichts ändern. Yoga ist halt ein Business. Jedenfalls unterrichte ich genau darum gerne in Fitnessstudios, denn dort ist die Klientel sozial ausgewogener.

 
 

Deine Stadttipps – nicht nur für Yogi*nis

Was an Hamburg toll ist, wissen die Leute in der Regel ja schon. Deshalb: Rishikesh und nochmals Rishikesh. Alle, die sich für Yoga interessieren, sollten einmal in die Welthauptstadt des Yoga und dort vielleicht auch ihre Ausbildung machen, die dort zu besonders günstigen Preisen angeboten werden.

Toller Ort für Yogis aus aller Welt! Strandurlaub machen und baden kann man dort auch, denn so hoch oben in Indien, ist der Ganges tatsächlich noch sauber. Aber aufpassen: Die Strömung des Ganges ist sehr stark! Also nur baden und nicht schwimmen! Besonders praktisch: Wer sich dreimal hintereinander im Ganges komplett untergluckert, dem werden alle Sünden ausgewaschen und vergeben, und danach macht Yoga gleich noch mehr Spaß. Das Yogaangebot in Rishikesh ist überwältigend, doch es lassen sich von dort auch tolle Wanderungen oder Rafting-Touren auf dem Ganges machen, und der ganze Ort ist einfach sehr lebendig und historisch interessant. Lohnt sich also, nicht für Yogi*nis.

 
 

Wie gehst du – privat wie beruflich – mit dem Thema der kulturellen Aneignung und Yoga um?

Das Thema Kulturelle Aneignung ist eines der überflüssigsten Themen unserer Zeit. Denn jeder kulturelle Ausdruck, jede Mode, jedes Gemälde entsteht immer mit einer Form von Aneignung. Die Beatles ließen sich in Rishikesh zu ihren großartigsten Songs inspirieren. Ohne Kulturelle Aneignung also kein WHITE ALBUM.

Yoga ist eine einzige kulturelle Aneignung und das im gegenseitigen Wechselspiel von östlicher und westlicher Kultur, und das ist gut so. Durch Kulturelle Aneignung entstehen Fortschritt und neue Kunst. Darum ist die Debatte darüber für mich lediglich ein Ausdruck von Eitelkeit und Distinktionswahn einer gelangweilten linken Elite.


Alle Infos zu Olaf findet ihr hier: dulsberg-yoga.de

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